Karl Christ

Hannibal

Cover: Hannibal
Primus Verlag, Darmstadt 2003
ISBN 9783896784728
Gebunden, 256 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Karl Christ setzt die Gestalt des großen Karthagers Hannibal (247-183 v.Chr.) zunächst in sein historisches und politisches Umfeld. Prägend für Hannibals Leben waren seine Bindungen an die Familie, die Heerführerdynastie der Barkiden mit ihrer überaus erfolgreichen Vergangenheit, sowie die Tradition seiner Heimatstadt Karthago. Der Autor bindet den Feldherrn in die Geschichte der römisch-karthagischen Beziehungen ein, die nicht nur durch Hass, sondern auch durch eine lange Phase der Koordination politischer Interessen geprägt war. Im Mittelpunkt steht aber natürlich der Befehlshaber, der an der Spitze seines Heeres Pyrenäen und Alpen überquerte, der Sieger von Cannae, der die Menschen immer noch fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2004

Rezensent Jürgen Busche sieht gerade im Scheitern Hannibals den Grund für die bis heute andauernde Faszination, die der karthagische Feldherr auf deutsche Historiker ausübt: Wie die Deutschen "Weltmeister im Beinahe-Gewinnen" seien, zitiert der Rezensent aus dem Film "Jakobowsky und der Oberst", so seien auch die Siege Hannibals "verlorene Siege". Karl Christs Buch könne "mit Genuss als Biografie gelesen werden", informiere aber auch über den letzten Stand der Hannibal-Forschung: über die Kriegsziele Hannibals, seine militärischen Leistungen und seine Fehleinschätzungen vor allem seiner politischen Unterlegenheit. Denn Hannibal sei für die römische Bundesgenossen keine überzeugende Alternative zu Rom gewesen, das in Norditalien Rechtsicherheit geschaffen und Schutz gegen die Stämme jenseits der Nordgrenze geboten hatte, urteilt der Rezensent. Vielmehr verkörperte er mit seinen Soldaten und Söldnern aus den wildesten Stämmen genau das, was niemand wollte, wie auch 1871 niemand gewollt habe, dass "deutsche Pickelhauben die Welt beherrschten", weiß der Rezensent und lobt das Buch als "schnörkelfrei geschrieben".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Rezensent Wilfried Nippel zeigt sich insgesamt zufrieden mit Karl Christs Buch über Hannibal. Nippel legt dar, dass Hannibal als Persönlichkeit in den antiken Darstellungen nicht zu greifen, eine Biografie im engeren Sinn deshalb nicht möglich ist. Christs Buch biete dem entsprechend im Wesentlichen eine "souveräne Geschichte" der römisch-karthagischen Beziehungen und der Punischen Kriege. Auch der Nichtfachmann könne hier das Problem nachvollziehen, aus der Überlieferung ein möglichst genaues Bild der Vorgänge zu gewinnen. Christ befasse sich eingehend mit den wissenschaftlichen Debatten um die Punischen Kriege und dem Hanibal-Bild in der Neuzeit. Entgegen der geläufigen Auffassung betone Christ, dass die Auflösung des römischen Herrschaftsverbands in Italien Hannibals vorrangiges politisches Ziel gewesen sei. In diesem Zusammenhang hätte sich Nippel eine "ausführlichere Erörterung" der Frage gewünscht, "ob die Annahme, die römischen Bundesgenossen hätten eine Befreiung von ihrer Vormacht gewünscht, eigentlich zutreffend war."

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