Aus dem Englischen von Kai Broderson. Debra Hamel erzählt die Geschichte von Neaira, einer außergewöhnlichen Frau im antiken Griechenland, und ihrem Weg von einer Hetäre zur Lebensgefährtin eines Athener Bürgers. Doch wer war diese Frau, wer war Neaira? Als Prostituierte in einem Bordell in Korinth groß geworden und früh zur Edel-Hetäre avanciert, verschlägt es Neaira durch wechselhafte Beziehungen und widrige Verhältnisse nach Megara und schließlich nach Athen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.12.2004
"Ein pralles Stück Antike", jubelt Antje Schrupp begeistert und versichert: Was man in Debra Hamels Buch zu lesen bekommen, sei spannend wie ein guter Krimi, obwohl es die Autorin keineswegs darauf anlegt habe, historische Forschung reißerisch zu inszenieren. Im Gegenteil: Schrupp lobt den bedächtigen und wohlbegründeten Umgang der Autorin mit den spärlichen, doch überaus interessanten Quellen, die der Studie zugrunde liegen. Doch zum Inhalt: Im "Fall Neaira" ging es um eine ehemalige Prostituierte, die im vierten Jahrhundert vor Christus einen freien Bürger Athens geheiratet hatte und sich vor Gericht wiederfand. Der Ankläger, dessen Rede überliefert ist, beschuldigte Neaira, durch die Heirat für ihre Kinder das Bürgerrecht erschwindeln zu wollen. Diese Anklageschrift, schreibt die Rezensentin, ist deshalb so interessant, weil sie nicht nur Einblicke in das Leben von Frauen jener Zeit eröffne, sondern auch Schlaglichter auf das erstaunliche Demokratieverständnis der Athener Bürger werfe. Zum Beispiel, so Schrupp, war Rache offenbar ein legitimes Motiv juristischer Anstrengungen - der Ankläger hatte es nämlich eigentlich auf den Gatten der Neaira abgesehen, mit dem er verfeindet war. Die Richter sollten ihm das Bürgerrecht aberkennen und Neaira auf ihren früheren Status zurückverweisen. "Und man fragt sich: Wie werden sie entscheiden? Werden sie Neaira zurück in die Sklaverei schicken? Oder kann sie weiterhin als freie Frau in Athen leben?" Doch - oh weh! - die Entscheidung ist nicht überliefert und dieses Buch ist eben kein Krimi. Sondern eine "ebenso lehrreiche wie vergnügliche" wissenschaftliche Arbeit.
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