Der amerikanische Literaturwissenschaftler Karl S. Guthke legt mit diesem Band eine Kulturgeschichte der Grabschrift des Westens von der Antike bis zur Neuzeit vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Neuzeit, und es werden Fragen gestellt wie: Warum werden Grabschriften seit zwei Jahrtausenden gesammelt und veröffentlicht? Warum sind sie nicht selten (absichtlich) komisch und was verraten sie über die Einstellung der Nachwelt gegenüber den Toten? Als besonders aufschlussreich erweisen sich die Epitaphe auf Selbstmörder: Was verraten sie über die religiöse und sozialpsychologische Haltung der Hinterbliebenen? Verschiedene "Subkulturen" der epitaphischen Erinnerungspflege rücken weitere psychologische, theologische und soziale Fragestellungen in den Blick - etwa den Kult der selbst verfassten Grabschrift oder auch die Grabschrift für Tiere.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2006
Kaum Gutes weiß Alexander Kosenina über Karl S. Guthkes "Kulturgeschichte der Grabschrift" zu berichten. Zwar attestiert er dem Autor, ein "grundgelehrtes" Buch verfasst zu haben. Zugleich kritisiert er es aber als völlig unausgegoren. Die enorme Fülle des angehäuften Materials wirkt auf ihn ungebändigt. Vor allem vermisst er die Entwicklung von konzeptionellen Linien und Ideen, die bei den zahllosen Beispielen von Grabinschriften für Ordnung sorgen. Auch die angedeuteten Bezüge zu Fragen der Gedächtniskultur, der Rhetorik und Fiktionalisierung, des sozialgeschichtlichen Umgangs mit Tod und Trauer und so fort fallen zu Koseninas Bedauern ziemlich spannungsarm aus.
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