Der amerikanische Literaturwissenschaftler Karl S. Guthke legt mit diesem Band eine Kulturgeschichte der Grabschrift des Westens von der Antike bis zur Neuzeit vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Neuzeit, und es werden Fragen gestellt wie: Warum werden Grabschriften seit zwei Jahrtausenden gesammelt und veröffentlicht? Warum sind sie nicht selten (absichtlich) komisch und was verraten sie über die Einstellung der Nachwelt gegenüber den Toten? Als besonders aufschlussreich erweisen sich die Epitaphe auf Selbstmörder: Was verraten sie über die religiöse und sozialpsychologische Haltung der Hinterbliebenen? Verschiedene "Subkulturen" der epitaphischen Erinnerungspflege rücken weitere psychologische, theologische und soziale Fragestellungen in den Blick - etwa den Kult der selbst verfassten Grabschrift oder auch die Grabschrift für Tiere.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2006
Kaum Gutes weiß Alexander Kosenina über Karl S. Guthkes "Kulturgeschichte der Grabschrift" zu berichten. Zwar attestiert er dem Autor, ein "grundgelehrtes" Buch verfasst zu haben. Zugleich kritisiert er es aber als völlig unausgegoren. Die enorme Fülle des angehäuften Materials wirkt auf ihn ungebändigt. Vor allem vermisst er die Entwicklung von konzeptionellen Linien und Ideen, die bei den zahllosen Beispielen von Grabinschriften für Ordnung sorgen. Auch die angedeuteten Bezüge zu Fragen der Gedächtniskultur, der Rhetorik und Fiktionalisierung, des sozialgeschichtlichen Umgangs mit Tod und Trauer und so fort fallen zu Koseninas Bedauern ziemlich spannungsarm aus.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…