Aus dem Englischen und kommentiert von Claudio Maira. Auf dem Friedhof von Spoon River, einer Kleinstadt im amerikanischen Mittelwesten, liegen 244 Menschen begraben. Aus ihren Gräbern sprechen sie zu uns, in Gedichten, die von ihrem Leben erzählen, von entscheidenden Momenten und Erfahrungen, von der Summe ihres Lebens über alles Glück und Unglück und über ihren Tod hinaus. Versöhnlich und im Zorn, voll Sehnsucht und Bedauern, ohne Umstände und Rücksichten, im Reinen oder Unreinen mit sich und der Welt. Aus diesem Konzert der vielen Stimmen ergeben sich berührende Geschichten kleiner und großer Schicksale, eine Art Lokalchronik aus allerletzten Bekenntnissen, ein staunenswert lebendiges Bild menschlichen Lebens und Strebens. Edgar Lee Masters hat den Toten eine Sprache gegeben, nackt und direkt, in der sie uns jenseits aller Zeit- und Lebensumstände für immer etwas über unser Leben zu erzählen wissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2020
Rezensent Jan Wiele ergötzt sich an den fiktiven Epitaphen von Edgar Lee Masters in der ersten deutschen Übersetzung von Claudio Maira. Die ab 1914 in St. Louis entstandenen, sich an antiken Grabinschriften orientierenden lakonischen Texte über Ärzte, Ordnungshüter und Witwen erblühen laut Wiele erst so richtig durch die im Anhang offengelegten reichen Bezüge zur US-Literatur, zur Musik und zum Film. Hilfreich findet Wiele das Register, das ihn auch auf die rätselhafteren Stimmen im Buch hinweist.
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