Was ist die Zeit? Die Frage nach dem Wesen der Zeit, die sich an der Schwelle der Neuzeit und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf jeweils neue und dringliche Weise stellte, hat in zwei exemplarischen Werken Gestalt gewonnen: in Dantes "Göttlicher Komödie" und in Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Karlheinz Stierle hat diese Bücher neu gelesen und überraschende Korrespondenzen entdeckt, die er anhand zahlreicher Textbeispiele belegt - nicht nur für Kenner der beiden Werke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2009
In einer Doppelbesprechung zweier neuerer Bücher des Literaturwissenschaftlers Karlheinz Stierle geht Alexander Kosenina auf die drei Werke der Weltliteratur ein, denen Stierles komparatistisch angelegte Studien insbesondere gewidmet ist: Ovids "Metamorphosen", Dantes "Göttliche Komödie" und Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Allen drei ist eigen, so beruft sich Kosenina auf Stierle, dass sie das Erzählen bis an die Grenzen des Möglichen treiben, vollständige eigene Welten erschaffen, anstatt nur Ausschnitte einer Welt zu liefern, und auf jeweils unterschiedliche Weise individuelle Zeit in Ewigkeit verwandeln. Und das Staunen über Zeit und Ewigkeit ist auch, so berichtet Kosenina, der Ausgangspunkt dieser vergleichenden Zeitanalyse der "Commedia" und der "Recherche", die beide in einem "Triumph der Ewigkeit" enden: bei Dante in der göttlichen Ewigkeit jenseits der Zeit und bei Proust, der sich vielfach auf Dante beziehe, in einer "Kathedrale der Zeit" als "Reflexionsmedium seiner selbst". Beide Werke beziehen zudem den Leser mit ein und fordern von ihm wiederholte Lektüre. Und indem Stierle sie in eine "eindrucksvolle Korrespondenz und Konstellation" bringe, erschließen sich auf diese Weise auch "innere und äußere Bezüge" dieser beiden "Fabeln der Welt", befindet Kosenina beeindruckt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…