Kaska Bryla

Roter Affe

Roman
Cover: Roter Affe
Residenz Verlag, Salzburg 2020
ISBN 9783701717323
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Roland K., mehrfacher Mörder und Vergewaltiger, sitzt in der JVA Moabit seine Haftstrafe ab. Mit Mania, der Gefängnispsychologin, scheint ihn mehr zu verbinden als ein paar Therapiestunden. Doch als Manias Kindheitsfreund Tomek aus Wien verschwindet und sie sich gemeinsam mit der Hackerin Ruth auf die verzweifelte Suche nach ihm macht, beginnt ein rasant erzählter Wettlauf mit der Zeit. Werden sie Tomek finden? Und will Tomek überhaupt gefunden werden? Und was hat das alles mit Roland K. zu tun?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2021

Rezensent Oliver Jungen liest diesen Debütroman der Wiener Autorin Kaska Bryla im Vergleich zu Leif Randts "Allegro Pastell": Brylas Geschichte um die Wahlgeschwister Tomek, einst von einem Mitschüler missbraucht und nun mit einer depressiv-suizidalen Frau verschwunden, und Mania, als Psychologin in der JVA Moabit für jenen Täter zuständig und nun auf der Suche nach Tomek, empfiehlt er mit leichten Abstrichen: An die mitunter manieristische, stets "kontrollierte" Sprache, mit der die Helden ihr Leben wie in einem "mentalen Simultanprotokoll" durcharbeiten, hat der Rezensent sich bereits bei Randt gewöhnt, zudem zieht ihn die Reise ins "Innere einer Depression" bald in den Bann. Dass neben den großen Fragen der Moral auch noch die politische Situation in Polen, der Antisemitismus in osteuropäischen Gesellschaften oder Migrationsfragen angerissen werden, findet Jungen zwar ermüdend. Die philosophische Tiefgründigkeit, psychologische Intensität und sprachliche Stärke des Romans, den der Kritiker zum "manischen Realismus" zählt, entschädigen ihn allerdings.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.12.2020

Rezensentin Julia Wasenmüller annonciert einen lesenswerten politischen Debütroman mit diesem Buch der polnischen Autorin Kaska Bryla. Viel über die Handlung dieses Roadmovies mit Krimielementen verrät die Kritikerin allerdings nicht, nur so viel: Fünf Protagonist*innen hat der Roman, die in der JVA Moabit als Gefängnispsychologin arbeitende Psychologin Mania, ihre Freunde Tomek, Ruth, Zahit und die Hündin Sue (aus deren Perspektive ebenfalls erzählt wird), erfahren wir. Vielmehr interessiert sich die Rezensentin für die Form des Romans. Theaterdialoge und exakte Schilderungen von Geschichte und Gesellschaft Polens wechseln einander ab, Migration und Traumata spielen nur hintergründig eine Rolle, ebenso queeres und jüdisches Leben in Polen. Dass Bryla bei all diesen Motiven und "philosophischen Fragen" die Spannung aufrecht erhält, ringt der Kritikerin hohe Anerkennung ab.

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