Kateryna Mishchenko (Hg.), Katharina Raabe (Hg.)

Geteilter Horizont

Die Zukunft der Ukraine
Cover: Geteilter Horizont
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518029916
Taschenbuch, 328 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Seit dem Frühjahr 2022 führt Russland seinen brutalen Krieg gegen die Ukraine. Trotz Unterstützung durch EU und NATO und deren Partner gelingt es nicht, ihn zu beenden. Moskaus Strategien, den Westen zu spalten, fallen auf fruchtbaren Boden. Längst steht fest, dass es sich nicht um einen regionalen Konflikt handelt. Der Krieg ist Teil einer Welt, deren Machtgefüge im Umbruch begriffen ist. Für die Ukraine selbst - für ihre Städte, ihre Infrastruktur, ihre Natur und alles Leben - heißt jeder neue Tag Zerstörung, Kampf und Erschöpfung. Wie arbeitet man unter Bedingungen des Zermürbungskrieges - als Lehrerin, als Drohnenoperateur, als Therapeut? Welche Strategien entwickeln die Ukrainerinnen, die Ukrainer, um gegen Müdigkeit und Verzweiflung anzukämpfen? Was bedeutet ihre Erfahrung für unsere gemeinsame Zukunft? Und was muss geschehen, damit der Krieg endet?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.01.2026

In seiner Reihe der kleinen Ukraine-Bibliothek stellt Kritiker Christian Thomas eine von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe herausgegebene Anthologie vor, die sich gegen die kriegsbedingte Lethargie auflehnt: 15 Autoren sind in dieser "Koalition der Weitsichtigen" versammelt, Thomas liest bei Mishchenko vom "Ermüdungskrieg", der alles Denken schwer macht, Darya Tsymbalyuk zeigt imperiale und naturzerstörende Bestrebungen Russlands, Yulia Danylevska stellt sich die Besatzung Chersons als Orks vor, Jurko Prochasko diagnostiziert eine vom Krieg total eingeschlossene Seele, berichtet der beeindruckte Rezensent, der sich mit diesem Buch einen umfassenden Eindruck vom Kriegsalltag gewinnt. Unbedingt eine Empfehlung!

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2025

Rezensentin Judith Leister liest den von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe herausgegebenen Band mit Beklemmung. Die Anthologie versammelt internationale Stimmen zu den Folgen des Abnutzungskrieges in der Ukraine, der, wie Leister erfährt, so schonungslos ist wie nie zuvor. Der Band enthält Frontberichte von Soldaten und eine Darstellung über die Soldatenfrauen. Die US-Historikerin Marci Shore vergleicht laut Leister politische Verhältnisse in den USA mit denen in Russland, und die Uno-Sondergesandte Heidi Tagliavini denkt über diplomatische Möglichkeiten nach. So bietet der Band der Rezensentin eine Vielzahl an Perspektiven auf den Krieg - berührend und nachdenklich machend. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.11.2025

Ob sich überhaupt noch etwas Neues sagen lässt über den Krieg in der Ukraine, fragen die Herausgeberinnen am Ende des neuen Sammelbandes selbstkritisch - ja, durchaus, meint Rezensent Uthoff nach der Lektüre. Ihm bieten die breit gefächerten Texte wertvolle und erschütternde Einblicke in die nationalen und geopolitischen fatalen Auswirkungen des Kriegsgeschehens: seien es die Traumata, von denen der ukrainische Schriftsteller und Psychoanalytiker Jurko Prochasko auf Basis seiner Patienten erzählt, sei es Darja Zymbaljuks wissenschaftliche Studie zu bedrohten Tier- und Pflanzenarten auf ukrainischem Boden, oder die "minutziöse" Diplomatie-Analyse der Schweizer Diplomatin und ehemaligen Ukraine-Beauftragten Heidi Tagliavini. Am "virulentesten" scheint ihm der Beitrag des Dokumentarfilmers und Autors Yuriy Hrytsyna, der über die Dystopie der gänzlich menschenunabhängigen Drohne reflektiert. Durchweg liefern die Beiträge aber eine "tiefe, aber nicht sonderlich erbauliche Bestandsaufnahme" über die Zeitenwende, die für einige Autor:innen nicht weniger als das Ende des modernen Vernunftgedankens sehen, und die nicht nur eine, sondern mehrere Folgegenerationen beschädigen wird, schließt Uthoff.

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