Katharina Hagena

Flusslinien

Roman
Cover: Flusslinien
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN 9783462007299
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Margrit Raven ist hundertzwei und wartet auf den Tod. Früher war sie Stimmbildnerin, jetzt lebt sie in einer Seniorenresidenz an der Elbe. Jeden Tag lässt sie sich von dem jungen Fahrer Arthur in den Römischen Garten bringen. Dort, mit Blick auf den Fluss, erinnert sie sich: an ihre Kindheit, den Krieg, ihre Liebhaber und an das, was sie über die einstige Gärtnerin dieses Parks weiß, Else, die große Liebe ihrer Mutter. Die Erinnerungen halten Margrit am Leben - und die Besuche ihrer zornigen Enkelin. Luzie hat sich kurz vor dem Abitur von der Schule abgemeldet und übernachtet nun allein in einer Hütte an der Elbe. Während sie Margrit, deren Mitbewohner und sich selbst im Keller der Seniorenresidenz tätowiert, versucht sie, Stich für Stich, ihre Kraft und ihr Leben zurückzugewinnen. Und dann ist da noch Arthur. Wenn er gerade niemanden zur Dialyse fährt, sucht er mit einer Metallsonde den Strand ab, erfindet Sprachen, kämpft für gefährdete Arten und ringt mit einer Schuld. Um nicht vom Strom der eigenen Erinnerungen fortgerissen zu werden, müssen sich die drei auf sich selbst besinnen. Und aufeinander einlassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2025

Rezensentin Rose-Maria Gropp bemüht sich, mit Katharina Hagenas Roman warm zu werden, bleibt aber etwas verhalten. Es geht um das Leben dreier Frauen, um die hundertzweijährige Margrit in einem Hamburger Seniorenheim, ihre Enkelin Luzie, die dort bald ein Tätowierstudio eröffnen wird, und um Margrits Mutter Johanne und ihre Liebesbeziehung zu Else Hoffa, die es wirklich gab, weiß Gropp. Verbunden werde das alles durch eine dominante Wassermotivik, durch dramaturgische und referenzielle Unterströme und Nebenflüsse, so die Kritikerin, was ihr doch einiges an "Geduld und Ausdauer" abverlangt. Alles hänge mit allem zusammen und alles sei mit Bedeutung aufgeladen; es geht um Traumata, Vergangenheit, Liebe, Tod, Krieg, listet Gropp etwas ermattet auf; dazu gibt es zahlreiche Verweise auf griechische Mythologie, Tolkien, Sci-Fi-Filme oder Gartenkunst, die die Kritikerin selten zu überraschen scheinen. Zwar sei der Roman damit ein "komplexes" Konstrukt, und auch an der "Sprachlust" und am komischen Talent der Autorin hat Gropp keinen Zweifel. Aber insgesamt bleibt ihr alles ein bisschen zu sehr an der Oberfläche, stehe der Roman auf einem "schwankenden Fundament", schließt die Kritikerin.

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