Die jüdische Buchhändlerin Ida Herz war Thomas Manns treueste Leserin und erste Archivarin. Auch wenn in der Familie Mann manchmal über "Herzchen" gespottet wurde, wussten alle: Ihre Treue war bedingungslos. Häufig nahm Thomas Mann ihre Hilfe in Anspruch. Er nahm Anteil an ihrem Exilschicksal, öffnete sich ihr in Briefen und porträtierte sie im "Doktor Faustus". Ida Herz sagte über Thomas Mann: "Er war mein bester Freund". Es war allerdings eine ungleiche Freundschaft, eine Geschichte von euphorischer Hingabe und schließlich bitterer Enttäuschung. Über 400 Briefe dokumentieren diese ungewöhnliche Beziehung, in die auch Katia Mann einbezogen war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2025
In nicht gerade vorteilhaftem Licht erscheint Thomas Mann in diesem Briefwechsel, und der rezensierende Literaturwissenschaftler Rüdiger Görner verschweigt es nicht. Ida Herz hatte Mann noch in der Weimarer Zeit in der Tram angesprochen, daraus entspann sich eine, nun ja "Freundschaft", in der Ida Herz eine dienende war, denn sie sammelte Archivalien Thomas Manns, und sie half ihm auch bei der Bergung wichtiger Dokumente aus seiner Münchner Bibliothek, erzählt der Rezensent. Die Thomas-Mann-Forschung verdanke ihr viel. Sie war ihm wohl hingegeben. Einmal scheint sie versucht zu haben, ihn zu küssen, was ihr im Tagebuch Bezeugungen tiefsten Ekels einbrachte. Politisch verstanden sie sich gut - auch wenn es einmal knallte -, und sie spürte und benannte seine grundsätzliche Sympathie zum Jüdischen und für die Demokratie. Aber er behandelte sie in seinen Briefen und erst recht in seinen Tagebüchern, die sie im hohen Alter noch zur Kenntnis nehmen musste, mit kältester Hochnäsigkeit und als Faktotum. Ein Dokument, so Görner, aber nicht immer eins, das man gern zur Kenntnis nimmt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…