Wer war Martha Bernays (1861 - 1951), die gebürtige Hamburgerin, die nach langer, konfliktreicher Verlobungszeit gegen den Widerstand der Mutter den Wiener Arzt Sigmund Freud heiratete und ihn über fünfzig Jahre als Frau und Mutter von sechs Kindern begleitete? Wie fühlte sie sich, die aus traditionsreicher jüdischer Familie stammte, in einem Haushalt ohne religiösen Hintergrund, und wie begegnete sie den Anforderungen, die das aufsehenerregende Wirken ihres Mannes auch an sie stellte? Katja Behling porträtiert diese bemerkenswerte Frau, die durch ihre Treue und Standfestigkeit zum Gelingen dessen beitrug, was von Wien seinen Ausgang nahm und unter dem Namen "Psychoanalyse" einen weltweiten Siegeszug antrat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2003
Erst jetzt erscheint eine erste monografische Darstellung der Ehefrau Freuds, und in Ludger Lütkehaus' Besprechung erhält man bereits den Eindruck, dass Martha Freud eine interessante Persönlichkeit gewesen sein muss, die sogar einige der Grundthesen Freuds ins Wanken gebracht habe, wie Lütkehaus findet. Er spielt auf die auffällig leidenschaftlichen Liebesbriefe Freuds aus der Verlobungszeit an, die seiner Meinung nach Freuds These, das Objekt der männlichen Leidenschaft könne nicht gleichzeitig das Objekt seiner Liebe sein, ins Wanken bringe. Martha Freud sei attraktiv, selbstbewusst, durchsetzungsfähig und in ihrer Ehe mit dem Genie eine vorbildliche Hausfrau und Mutter gewesen, ohne sich dabei selbst aufzugeben, weiß Lütkehaus, obwohl, wie er vermutet die psychoanalytischen Theorien ihr wohl eher wie "eine gehobene Art wissenschaftlicher Pornografie" erschienen sein müssen. Als spannendstes Kapitel bezeichnet er das, in dem es um Marthas schwieriges Verhältnis zu Anna Freud, ihrer jüngsten Tochter und "Thronfolgerin der Psychoanalyse" geht, und dies natürlich auch - wie sollte es anders sein - unter psychoanalytischen Gesichtspunkten.
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