Opfer. Will man nicht bringen, will man nicht sein. Trotzdem haben wir nach den Sommerferien beschlossen, etwas zu opfern: unsere Freiheit. Zumindest für drei Monate. Wir kriegen etwas Besseres für das, was wir aufgeben, dachten wir. Da war das große Ziel, klar, das offizielle: die Welt retten, wenigstens ein bisschen. Vielleicht wäre das Experiment nicht außer Kontrolle geraten, wenn es dabei geblieben wäre. Aber jeder von uns hatte auch einen persönlichen Grund mitzumachen … oder zu rebellieren: Status, Geld, Rache, Liebe. Und so verloren wir mehr, als wir einsetzen wollten. Einen von uns.Ein Wettbewerb. Eine Schule. Und eine gewagte Idee: Was, wenn jeder deine Umweltsünden auf deinen Social-Media-Accounts sehen könnte? Würdest du dich zusammenreißen? Nur noch so viel verbrauchen an Energie, Essen, einfach allem, damit das Icon deiner App grün bleibt statt rot? Würdest du fair spielen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.04.2021
Rezensent Fritz Göttler fühlt sich von Kerstin Guldens Jugendroman an Morton Rhues "Die Welle" erinnert. Auch bei Gulden wird die Klasse zum Experimentierraum, wenn die Schüler versuchen, ihren Energiekonsum mit einer App herunterzufahren, und auch hier geht es um totalitäre Macht, wenn die App zur kontrollierenden Instanz wird, analysiert Göttler. Darüber hinaus liefere die Autorin alles, was zu einem Jugendroman dazugehört: Liebe, Eifersucht, der Kampf um Anerkennung. Wie eine solche Kontroll-App unser aktuell noch spielerisches App-Verständnis verändern würde, fragt der Rezensent zum Schluss gespannt.
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