Ein schwuler Außenminister in Deutschland und ein schwarzer US-Präsident repräsentieren nicht nur Staatsmacht, sondern zugleich einen Etappensieg der Gutmenschen. Die qualmenden und hinternklopfenden "Mad Men" von einst werden in Gender-Ausschüssen in die Mangel genommen, während es für muslimische Frauen Bikini-Burka-Kreuzungen zu kaufen gibt. Das gesellschaftliche Leben scheint weder länger ohne politisch korrekte Nachjustierungen noch ohne die selbstheroisierenden Entrüstungen über angeblichen Tugendterror auszukommen. Anhand zahlreicher Fallbeispieler aus Politik, Kunst und Kultur analysieren die Autoren die aktuellen Ambivalenzen, alten und neuen Gegner und teils unvermuteten Komplizenschaften dieser Kulturrevolution - einer Revolution, die ganz leise und ohne Anführer die Mitte der Gesellschaft erobert und eine/n allgegenwärtige/n Zeitgenossen/In zum Subjekt hat: das Opfer.
Mathias Dusinis und Thomas Edlingers kritischer Essay über "Glanz und Elend der Political Correctness" hat Detlev Claussen nicht so wirklich überzeugt. Dass sich die Autoren gleichermaßen von Sarrazin und Co einerseits und von den "sprachsäuberischen Gutmenschen" andererseits distanzieren, scheint ihm keine befriedigende Lösung. Idioten, die es übertreiben, gibt es seines Erachtens zwar auf beiden Seiten. Das heißt für ihn aber nicht, dass man sich um sprachliche Entscheidungen umhin kommt, denn, so hält er mit Hegel fest: "Worte sind auch Taten". Besonders fehlgeleitet findet Claussen, wenn die Autoren die Präsidentschaft Obamas als "oberflächlichen Sieg der Political Correctness" hinstellen.
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