"Leben wir in einer ungerechten Gesellschaft, weil Ungerechtigkeit und Verbrechen ungenügend bestraft werden?" "Wird die Kriminalität in Deutschland (weiter) steigen, weil in deutschen Gerichtssälen Nachsicht und lasche Vorurteile herrschen?" "Wird Recht in Deutschland eigentlich überall gleich gesprochen? "Geht es in vielen Urteilen mehr um das Wohl der Täter als das der Opfer? Und: "Werden viele Urteile aufgrund von Zeit- und Geldmangel einfach abgeurteilt?" Diese und ähnlich unangenehme Fragen stellt Strafverteidiger Ingo Lenßen in seinem Buch. Dabei bezieht er sich auf über 50 Fälle aus seiner eigenen Rechtspraxis, aber auch auf solche, deren Urteil große öffentliche Diskussionen ausgelöst hat. Er bringt genau die Transparenz in viele Entscheidungen, die die Öffentlichkeit, also das Volk, in dessen Namen doch gesprochen wird, oft nicht nachvollziehen kann - auch weil sich Gerichte gerne eben vor dieser Öffentlichkeit abschotten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2019
Michael Pawlik erfährt beim Strafrechtler Ingo Lenßen, wie innerjuristischen Maßstäben im Strafrecht zur vollen Geltung verholfen werden könnte. Anders als der Titel erahnen lässt, bietet das Buch laut Pawlik keinen Populismus, sondern eine auf Fallbeispiele gestützte Kritik an der Tendenz heutiger Strafjustiz, Opferbelange zu marginalisieren und gesetzlich eingeräumte Strafrahmen nicht auszuschöpfen. Dass es zwischen allzu großer Milde und der Gefahr einer weiteren Desozialisierung in Haft keinen Königsweg gibt, vermittelt der Band dem Rezensenten auch.
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