Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wird um die Durchsetzung eines neuen Menschenrechts gerungen, des 'Rechts auf Wahrheit'. UN-Resolutionen geben Angehörigen von Opfern schwerer Menschenrechtsverletzungen, aber auch postdiktatorischen Gesellschaften, ein Recht darauf, die Wahrheit über das Schicksal ihrer Angehörigen zu erfahren, die Opfer staatlich initiierter Verbrechen geworden waren. Opferverbände und internationale Gerichte fordern unter Berufung auf dieses Recht die Freigabe und Offenlegung entsprechender Informationen.
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes nähern sich der Genese dieses neuen 'Rechts auf Wahrheit' aus unterschiedlichen Perspektiven. Welche Erfahrungen und Interessen liegen dem Bestreben zugrunde, ein neues Menschenrecht zu etablieren? Welche Verbindung wird hier zwischen Wahrheit und Würde etabliert? In welchem gesellschaftlichen, kulturellen und rechtlichen Umfeld entstand dieses Menschenrecht? Und was lehrt der Vergleich früherer Wahrheitsdiskurse zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit der Debatte zum 'Recht auf Wahrheit' am Ende des 20. und zu Anfang des 21. Jahrhunderts?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2016
Sehr zu empfehlen ist laut Holger Thünemann der von José Brunner und Daniel Stahl herausgegebene Sammelband zum Menschenrecht auf Wahrheit. Die Beiträger diskutieren laut Rezensent die Entwicklung und das humanitäre Potential des Rechts, beleuchten es aus verschiedenen Perspektiven, der Rechtswissenschaft, der Geschichte, der Psychologie und der Friedensforschung etwa und anhand der Militärdiktaturen Lateinamerikas, des Apartheid-Regimes in Südafrika oder auch der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Außerdem wird der Fall Katyn kritisch diskutiert, meint Thünemann, der den Band klar strukturiert, flüssig zu lesen und gut redigiert findet. Einziger Wermutstropfen für ihn: Die geistes- wie auch die begriffsgeschichtliche Perspektive kommen im Band zu kurz.
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