Europäische Eliten - wer sind sie? Kulturpolitische Ambitionen der Europäischen Union einerseits, gelebter Alltag in EU-Europa andererseits - am College d'Europe (Europakolleg) berühren sich diese Sphären seit 1948. Studierende bereiten sich hier auf eine Tätigkeit in den EU-Institutionen in Brüssel vor. Die zukünftigen Experten der Europäisierung sind transnational bewandert und machen sich am Europakolleg die kulturellen und sozialen Codes des EU-Machtfelds zu eigen. Wird hier der "Homo Europaeus" geschaffen? Auf der Grundlage von Interviews und mehrmonatiger Feldforschung vor Ort zeichnet dieses Buch ein detailliertes Bild des Internats- und Studienalltags und der Entstehung des spezifischen EU-Habitus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2009
Spannend, klug und aufschlussreich findet Rezensentin Alexandra Kemmerer die Feldstudie über das Europakolleg in Brügge und Natolin bei Warschau, die die Berliner Ethnologin Kerstin Poehls verfasst hat. Es geht um europäische Elitebildung und die Frage, was genau das bedeutet. Poehls nimmt die Rezensentin mit auf die Flure des Kollegs, in Speisesäle, Seminare und Wohnheime und erörtert "scharfsichtig" Netzwerke und die Schöpfung des Homo Europaeus durch integrierte Interdisziplinarität (Natolin) bzw. die klassischen Fachbereiche Recht, Wirtschaft und Politik (Brügge). Ein Urteil der Autorin, das die Rezensentin sich gemerkt hat, lautet, dass Nationales in der europäischen Idee nicht etwa aufgehoben wird, sondern der imaginäre Raum EU immer neu verhandelt, belebt, gefüllt werden muss.
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