Das Jahr 2009 markiert für die Europäische Union den bisherigen Höhepunkt der Integration: Nach der größten Erweiterung der EU um zwölf neue Staaten 2004-2007 trat nach längerem Ringen der neue Unionsvertrag von Lissabon in Kraft - ein weiterer Meilenstein für die Einigung von Europa, doch welchen Inhalt hat dieser Begriff? Der vorliegende Band zeigt die historischen Hintergründe und größeren Zusammenhänge zwischen den über die Jahrhunderte entwickelten Europa-Ideen und den nach 1945 geschaffenen Institutionen Europas auf. Dabei wird deutlich, dass sich die historischen Europa-Ideen lange im Spannungsfeld von Vision und Wirklichkeit bewegten und erst durch ihre Verknüpfung mit verbindlichen Institutionen dauerhaft tragfähig werden konnten. In drei umfangreichen Hauptkapiteln spannt der Autor den großen Bogen der Geschichte Europas von der Antike bis in die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2011
Hilfreich und anregend findet Wilfried Loth dieses Nachschlagewerk zur der europäischen Einigung von Michael Gehler. Hilfreich waren ihm die zahlreichen Abbildungen, Karten und Grafiken, ebenso wie Glossar, Bibliografie und gesammelte Web-Adressen zum Thema. Wirklich anregend wird der Band für ihn aber erst durch die vom Autor gesetzten Schwerpunkte, so die historische Perspektive bis zurück zu den frühgeschichtlichen Hochkulturen des Vorderen Orients oder die durchaus kritische Darstellung verschiedener Pläne zur europäischen Einigung von Dante bis Monnet. Auch Gehlers Blick auf das reale Integrationsgeschehen als Überwindung der Spaltungsprozesse des Kalten Krieges (1989!) gehört für Loth dazu. Und nicht zuletzt in Sachen Währungsunion, Ost-Erweiterung, Lissabon-Verträge kommt der Autor in Fahrt. Hier bietet Gehler laut Rezensent "originäre Forschung". Schade bloß, dass der Band strukturell ein wenig zu wünschen übrig lässt. Gehlers These eines Europas der Ideen und Institutionen hält Loth für zu schwach, um die ganze Darstellung zusammenzuhalten.
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