In einem separierten jüdischen Kulturkreis im nationalsozialistischen Deutschland entstand zwischen 1933 und 1938/45 eine Vielzahl literarischer Arbeiten, die bislang in ihrer eigenständigen Bedeutung kaum erkannt wurden. Sie müssen jedoch neben den literarischen und künstlerischen Werken des Exils als Beginn einer Literatur gelesen werden, die auf die soziale Entrechtung, Ausgrenzung und Ermordung großer Teile des europäischen Judentums reagierte. Namen wie Gertrud Kolmar, Franz Hessel, Ernst Blass, Leo Hirsch, Mascha Kaleko, Arthur Eloesser, Karl Escher, Meta Samson, Arno Nadel, Herbert Friedenthal (Freeden), Max Samter oder Abraham Heschel stehen exemplarisch für viele, die 1933 nicht sofort aus Deutschland auswanderten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2011
Steffen Martus hat bei Kerstin Schoor die mit perfider Gewissenhaftigkeit betriebene nationalsozialistische Kulturpolitik nachgelesen, die jüdische Autoren erst auf ihr Judentum begrenzte und vom restlichen Literaturleben abspaltete, um sie dann zu bekämpfen. Denn bis 1933 empfanden sich viele Autoren gar nicht als dezidiert jüdisch und mussten erst mal selbst diese "erfundene und befohlene Identität" entdecken, entnimmt der Rezensent der Lektüre. Ohne explizit zu loben, macht der Rezensent deutlich, dass ihn diese Studie gefesselt hat.
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