Aus dem Arabischen Khalid von Al-Maaly und Heribert Becher.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2004
Eine Vorentscheidung hat der Herausgeber dieses Bandes mit neuerer palästinensischer Lyrik gleich getroffen: das explizit Politische bleibt als "Gebrauchs- und Wegwerfliteratur" außen vor. Und versammelt sind nur Gedichte von nach 1950 Geborenen. 32 verschiedene Stimmen, aber eine Gemeinsamkeit gibt es, stellt die Rezensentin Angela Schader fest: den Ton, die "Stimmung". Ein "Gefühl existenzieller Isoliertheit" durchziehe die ansonsten durchaus unterschiedlichen Texte. Viele Zweifel und Selbstzweifel gibt es, selten nur "Witz und Leichtigkeit". Manchmal auch Pathos, das - mangels genauer Kenntnis des kulturellen und sprachlichen Echoraums - nur schwer einzuordnen ist. In jedem Fall aber, so Schader mit Entschiedenheit, eine lohnende Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2003
Man fragt sich leicht entsetzt, was für einen eindimensionales "Bild von den Arabern" Stefan Weidner seinen Lesern zutraut, schließlich verheißt er, dass diese Lyrik-Anthologie es gehörig umkrempelt: "Wir staunen, lachen, lächeln, weinen, fassen uns an die Stirn und poltern los: Das sollen die Palästinenser sein?" Denn statt den Geist von Selbstmordattentätern zu verströmen, gewähre diese Sammlung Einblicke in "zerbrechliche Kinderseelen". Doch dann wird Weidners Emphase ansteckend. "Wenn je ein Buch einen schonungslosen, unzensierten Einblick in palästinensische Seelen geboten hat, dann dieses." Weidner preist die "Unmittelbarkeit" zeitgenössischer palästinensischer Lyrik, ihren Verzicht auf sprachliche Distanz zum Alltag, wodurch oft freilich auch der einen oder anderen "Peinlichkeit" der Boden bereitet werde. Fest stehe, dass diese Sammlung "ein uns seit der Romantik abhanden gekommener Glaube" an die Poesie durchdringe. Eine "Pioniertat kulturellen Artenschutzes" sei die zweisprachige Ausgabe obendrein, da die Gedichte im Original auf Grund der miserablen publizistischen Situation in Palästina nur schwer Bestand haben. Die vorliegende Anthologie "rettet die palästinensische Lyrik ins Archiv", schreibt Weidner und hat nur eines zu bemängeln: Dass explizit politische Lyrik ausgeschlossen wurde.
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