Kim Thuy

Der Klang der Fremde

Roman
Cover: Der Klang der Fremde
Antje Kunstmann Verlag, München 2010
ISBN 9783888976797
Gebunden, 159 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Alvermann und Brigitte Große. "Man glaubt immer, das Leben von Einwanderern sei nur schwer. Und vergisst dabei, dass ihre Erfahrungen auch wunderbare, lustige, bewegende und oft ganz absurde Momente umschließen " Die kleine Kim ist zehn, als ihre Familie aus Vietnam fliehen muss. Auf einer abenteuerlichen Odyssee gelangen sie übers Meer, vegetieren in überfüllten Flüchtlingslagern, finden schließlich im Westen, im fernen Kanada eine neue Heimat. Wenn der Schock der Fremdheit überwältigend ist, lässt sich die Welt nur über die Sinne erschließen. An Klängen, Farben, Gerüchen entfalten sich deshalb die Erinnerungsbilder, an denen Kim Thuy dreißig Jahre später der Spur ihres Lebens nachgeht eine lose Kette, mäandernd zwischen Einst und Jetzt, Krieg und Frieden, Verstörung und überraschendem Glück.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2011

Für vielfach gewinnbringend hält Andreas Breitenstein dieses autobiografische Buch von Kim Thuy. Wenn sich die Autorin an eine Kindheit in Saigon zur Zeit der Tet-Offensive der Amerikaner sowie Vertreibung und Flucht erinnert und das Glück eines Neubeginns im kanadischen Exil, sieht Breitenstein nicht nur eine Wahrnehmungslücke geschlossen. Die bitterschönen Bilder, der achronologische, traumartige Gang der anekdotenreichen Erzählung, die dem Rezensenten einzigartig erscheinende Dankbarkeit gegenüber dem Aufnahmel - all das versteht er als große Poesie. Dass darunter irgendwo der Schmerz anhält, wie Breitenstein vermutet, macht den Text nur noch kostbarer.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2010

Als große Begabung erkennt Rezensentin Anja Hirsch die als Kind aus Vietnam geflüchtete, heute in Kanada lebende und auf französisch schreibende Autorin Kim Thuy. In einzelnen "Splittern" erzählt sie in diesem Roman die Geschichte einer Flucht und eines Ankommens im Exil. Das Können Thuys liege dabei im Detail, in der Fähigkeit, Wahrnehmungen präzise, oft auch ganz kurz und sehr knapp zu erfassen, und dabei doch immer wieder anstrengungslos Grundsätzliches neben dem ganz Konkreten in den Blick zu bekommen. "Dicht" und "bildstark", so Hirsch, ist diese Prosa, gelesen hat die Rezensentin das mit Bewunderung und Genuss.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2010

Shirin Sojitrawalla hat der autobiografisch grundierte Roman von Kim Thuy sehr gefallen und sie schätzt daran insbesondere die "lyrische Achtsamkeit", die die Autorin an den Tag legt. Wie Thuy selbst ist auch die Ich-Erzählerin als Kind mit ihren Eltern aus Vietnam geflüchtet und über Malaysia nach Kanada gelangt. In unchronologischen Erinnerungssplittern rekapituliert sie nun ihr Leben, lässt unzählige Figuren ihrer Vergangenheit auftreten und erzählt nebenbei vom "sozialen Abstieg" einer Einwandererfamilie. Sowohl die wie kostbare Kleinodien dargebotenen Erinnerungsfragmente als auch die schonungslose Offenheit Thuys haben die Rezensentin sehr eingenommen und hat ihr sowohl das Leiden unter der Emigration wie die "Freuden der Immigration" hier anschaulich nahe gebracht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.09.2010

Mit diesem "geradezu grazilen Roman" hat die kanadisch-vietnamesische Autorin Kim Thuy den Rezensenten Karl-Markus Gauß begeistert. Sie rollt darin ihre Lebensgeschichte auf, ihre Flucht als vietnamesisches Oberschichtskind, das nach dem Rückzug der Amerikaner aus ihrem Land mit ihrer Familie fliehen musste, erzählt Gauß. Wie sie die Klassen- und Kulturunterschiede zwischen den siegreichen nordvietnamesischen Bauern und den unterlegenen wohlhabenden Städtern in Südvietnam imponiert ihm sehr, zumal Thuy die kulturellen Unterschiede in Kanada ebenso fein beobachtet hat. Gauß gefällt auch die "leichte Hand", mit der Thuy selbst schwere Schicksalsschläge beschreibt. Und er konstatiert eine - für einen Debütroman - erstaunliche Souveränität der Form. Denn Thuy beschreibe Szenen, die selten länger als zwei Seiten sind, und wechsle dann den Ort oder die Zeit. Am Ende wird der Roman etwas kitschig, so Gauß, aber allein als Geschichte des Heimischwerdens in einem fremden Land findet er den "Klang der Fremde" schon überaus gelungen.

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