Aus dem Russischen von Max Schatz. 'Der letzte Ringträger' richtet sich an Fans der Fantasy-Literatur, die sich für einen etwas anderen Blick in altbekannte Universen interessieren. Das Buch hat den Möglichkeitsraum Fantasy nachhaltig verändert, wurde bei seinem Erscheinen vor 25 Jahren als Meisterwerk der fantastischen Literatur gefeiert und erregte weltweit Aufmerksamkeit. Nun liegt das Buch endlich erstmals auf Deutsch vor. Der Roman beginnt da, wo andere Romane aufhören: Nach der Krönung des Königspaars der neuen, vom Bösen befreiten Welt. Die Protagonisten sind nicht die strahlenden Lichthelden des Westens, sondern seltsame Kreaturen aus dem Osten, die in der typischen Fantasy-Geschichtsschreibung als niederträchtige Bösewichte dargestellt werden. Das entscheidende Ereignis des großen Kriegs der Vorzeit war nicht die Vernichtung eines mächtigen, aber bösartigen Gegenstands - Fantasy-Fans erkennen die Anspielung -, sondern eine bestimmte Technologie aus der zweiten Aufmerksamkeitsreihe. Jeskow verarbeitet Tropes aus verschiedenen Fantasy-Werken. Und doch handelt es sich nicht einfach um eine Parodie, sondern eine ernste, ja dringliche Neuerzählung der klassischen Fantasy-Geschichte, voller Grauschattierungen, moralischer Ambivalenz und psychologisch zweideutigen Motivationen, wie wir sie aus George R. R. Martins Reihe "The Song of Ice and Fire" kennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2025
Eine schlaue "Herr der Ringe"-Inversion legt der russische Fantasy-Autor Kirill Jeskow mit seinem neuen Roman vor, denkt sich Rezensent Maximilian Mengeringhaus. Die Orks heißen hier, zumindest in der deutschen Übersetzung, zwar aus lizenzrechtlichen Gründen nicht Orks sondern Orozenen und Gandalf nicht Gandalf, sondern Gummbrecht, aber die Zielrichtung des Ganzen bleibt klar, meint der Rezensent: Die Welt Tolkiens wird auf den Kopf gestellt, die Orks, beziehungsweise Orozenen, sind nicht grundböse, sondern eine aufstrebende Zivilisation, die von den machthungrigen Elfen kalt gestellt werden soll. Das ist die Ausgangslage, die Geschichte geht dann noch ein bisschen weiter, außerdem bringt Jeskow Themen wie Wirtschaftspolitik und Sexualität ins Spiel, die bei Tolkien außen vor bleiben. Das ist lustig und differenziert genug, um nicht als platte antiwestliche Umschrift gelesen zu werden, meint Mengeringhaus, der selbst nicht allzu viel von Tolkien zu halten scheint, von Terry Pratchett hingegen deutlich mehr, und an den fühlt er sich bei der Lektüre dieses schönen Buchs erinnert.
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