Deutsche in Venedig? Die meisten Europäer, vor allem aber die Venezianer, dürften dabei an Touristenmassen denken. Doch die deutsche Präsenz in der Lagunenstadt hat eine lange Tradition, die sich bis ins erste Jahrtausend zurückverfolgen lässt. Für die nordalpine Kultur hatte dies bemerkenswerte Folgen. Fast im gesamten deutschsprachigen Raum, besonders aber in Süddeutschland, Österreich, Böhmen und Sachsen zeigten Musik, Literatur und bildende Künste über Jahrhunderte venezianische Einflüsse. Der Markusdom, die berühmte Piazza sowie der Canal Grande begeisterten schon die mittelalterlichen Kaiser. Für Komponisten wie Händel und Wagner, Maler wie Dürer und Elsheimer, Architekten wie Schickhardt und Schinkel oder Schriftsteller wie Goethe und Platen wurde der Venedigaufenthalt zum Schlüsselerlebnis. Dies schließt nicht aus, dass das Verhältnis zu Venedig häufig ambivalent, ja schwierig war. Humboldt, Nietzsche, Rilke, Freud und Thomas Mann die Liste ließe sich beliebig verlängern fühlten sich am Rialto stets auch herausgefordert. Klaus Bergdolt erzählt die spannende Geschichte einer vielgestaltigen Begegnung vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert verfolgt er die Spuren der Deutschen in Venedig.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2012
Das Venedig-Buch des Medizinhistorikers Klaus Bergdolt hat es Hans-Albrecht Koch angetan. Der Autor überzeugt ihn mit aus reicher Belesenheit gespeisten und mit eleganter Beiläufigkeit präsentierten Informationen zu deutschen Venedig-Reisenden, Musikern und Literaten, auch weniger bekannten, wie dem Opernkomponisten Wolf Ferrari oder Werner von der Schulenburg. So viel Aufmerksamkeit und Kenntnis verdient Leser, meint Koch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011
Mit großer Begeisterung hat Rezensent Dirk Schümer dieses Buch über "Deutsche in Venedig" von Klaus Bergdolt gelesen. Das Thema scheint ihm durchaus gewagt. Schümer attestiert dem Medizinhistoriker nicht nur umfassende und detaillierte Kenntnisse der Materie, sondern auch "philologischen Spürsinn" und Ironie. Entstanden ist für ihn ein hinreißendes, pralles Werk, das Überraschungen und Entdeckungen in Hülle und Fülle bietet. Dabei werden nicht nur die Venedig-Besuche von Kaiser Otto, Dürer, Goethe, Nietzsche, Mann, Freud und vielen weiteren illustren und bekannten Reisenden gediegen beschrieben, sondern auch die von wenig bekannten und abseitigen Geistern. Vergnüglich findet Schümer auch die zahlreichen Venedig-Schmähungen, die Bergdolt zusammen getragen hat.
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