Konrad Sziedat untersucht erstmals systematisch die Hoffnungen, die westdeutsche Linke seit 1980 in die Transformationsprozesse im "Ostblock" setzten. Ausgehend von der Unterstützungskampagne "Solidarität mit Solidarność" kann er mit den Möglichkeiten der historischen Netzwerkanalyse zeigen, wie Linke unterschiedlichster ideologischer Orientierung wiederholt zu gemeinsamen Aktionen zusammenfanden. Auch verdeutlicht er an der Historischen Semantik von Begriffen wie "Sozialismus", "dritter Weg" und "Zivilgesellschaft" Erwartungen und Enttäuschungen westdeutscher Linker bis Mitte der 1990er Jahre. Der tiefgreifende Wandel der Linken im späten 20. Jahrhundert wird damit in den größeren Zusammenhang des mittel- und osteuropäischen Umbruchs eingebettet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2020
Inwieweit die Geschichte der westdeutschen Linken durch die Umbrüche der 1980er und 1990er geprägt wurde, erfährt Joachim Scholtyseck aus der Studie von Konrad Sziedat. Den Autor nennt er einen "ausgezeichneten Kenner" historischer Netzwerkanalyse. Als solchem gelingt es Sziedat laut Rezensent mit besonderem Blick auf die Kampagne "Solidarität mit Solidarność" und auf das Verständnis des seiner Zeit neuen Schlüsselbegriffs "Zivilgesellschaft" die Anpassungsleistungen der Linken nachzuzeichnen. Anregend, findet Scholtyseck.
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