Lana Lux

Geordnete Verhältnisse

Roman
Cover: Geordnete Verhältnisse
Hanser Berlin, Berlin 2024
ISBN 9783446279551
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Wenn man seine Heimat verlassen muss, kommt es immer darauf an, wo man landet und welche Leute man kennenlernt. Faina landet in einer deutschen Kleinstadt und lernt in der Schule Philipp kennen, einen Jungen mit Wutausbrüchen, der Pflanzen lieber mag als Menschen, sich aber sehnlichst einen Freund wünscht. Faina soll dieser Freund werden, also bringt er ihr Deutsch bei, und wie man Weihnachten richtig feiert. Er macht sie zu seiner Faina. Jahre später ist Philipp der Typ mit Eigentumswohnung und fester Freundin, und Faina steht als verlassene, verschuldete Schwangere vor seiner Tür. Er lässt sie hinein, doch zu welchem Preis? "Geordnete Verhältnisse" ist eine Geschichte über Wut und Obsession - und eine Frau, die sich weigert, zum Besitztum eines Mannes zu werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2024

Rezensentin Yelizaveta Landenberger liest mit "Geordnete Verhältnisse" einen erschütternd realistischen Roman über Gewalt in ihren verschiedenen Ausformungen. Es ist der dritte Roman der Autorin über Frauen, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen, dort am Rande der Gesellschaft leben und erbittert versuchen, sich einen Platz in der Mitte zu erkämpfen, weiß Landenberger. So auch Faina, die als Kind mit ihren Eltern ins Ruhrgebiet zieht und dort eine zunächst heilsame, schließlich jedoch desaströse Freundschaft eingeht mit einem deutschen Jungen - später Mann. Lux schildert ihre authentisch facettenreichen Figuren und deren Erfahrungen mit viel Witz und Empathie, lesen wir. Dabei schöpft sie sicher auch aus eigener Erfahrung, vermutet Landenberger: Mitte der 90er kam Lux selbst mit ihren Eltern ins Ruhrgebiet. Doch ihr Roman ist nicht nur ihrer eigenen Realität verpflichtet, sondern auch der Literatur: Die Spirale der Gewalt, in welche die Protagonistin hineingerät, ist von Anfang an angelegt, dramaturgisch geschickt und "sprachlich eloquent", ohne jemals vorhersehbar zu sein, so die beeindruckte und berührte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2024

Licht und Schatten macht Rezensent Rainer Moritz in Lana Lux' Roman aus. Dessen Thema ist ein Modethema: eine toxische Beziehung, die in diesem Fall, lesen wir, Faina und Philipp führen. Sie kennen sich, führt Moritz aus, seit der Grundschule, ihre Beziehung hat nichts mit Sex zu tun, bleibt in der Schwebe zwischen Liebe und Freundschaft. Faina bekommt dann ein Kind von einem anderen und zieht, weil sie nicht weiterweiß, bei Philipp ein, der immer kontrollierender und übergriffiger wird. Lux versucht, auch die Perspektive des Mannes in das Buch einzubeziehen, aber irgendwann erscheint Philipp nur noch als eine Verkörperung des Bösen, erläutert der Rezensent. Das gefällt ihm nicht so gut, da das Buch gerade da stark ist, wo es die Figuren ohne erläuternden Kommentar handeln lässt. Trotz einiger gelungener grotesker Szenen fällt das Urteil ambivalent aus: einerseits gelingt es Lux laut Moritz durchaus, Toxizität im Zwischenmenschlichen zu beschreiben, andererseits weist das Buch in der Komposition aber auch in der sprachlichen Gestaltung Schwächen auf.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2024

Maja Beckers trifft sich mit der ukrainisch-deutschen Autorin Lana Lux in Berlin, um über die aktuellen Kriege, aber natürlich auch über den neuen Roman Lux' zu sprechen, der laut Kritikerin zu den "faszinierendsten" Büchern der Saison gehört. Erzählt wird die Geschichte einer toxischen Beziehung: Seit Kindstagen sind der asexuelle, einsame Philipp und die mit ihrer Familie nach Deutschland geflohene Faina Freunde, als Faina plötzlich schwanger wird, ziehen sie das Kind gemeinsam groß. Philipp entwickelt immer obsessivere Züge - bis es zum Mord kommt, resümiert die Rezensentin. Lux erzählt davon so fesselnd und nuancenreich, dass Beckers das Buch kaum aus den Händen legen kann. Selten hat die Kritikerin einen Roman gelesen, der so "komisch" und beklemmend von der Anziehungskraft des Bösen zu erzählen weiß.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.02.2024

Insgesamt positiv bespricht Rezensent Valentin Wölflmaier Lana Lux' Roman, komplett glücklich wird er mit dieser Geschichte einer toxischen Beziehung jedoch nicht. Diese beginnt als Freundschaft zwischen dem zehnjährigen Philipp, einem Außenseiter, und Faina, einer neuen Mitschülerin, die nicht gut deutsch spricht und jüdisch ist. Philipp gibt vor, sich um Faina kümmern zu wollen, tatsächlich wird sein Verhalten jedoch bald einengend und kontrollierend, referiert der Kritiker. Gut gefällt ihm der Roman, wenn er im Konkreten der einzelnen Szenen bleibt, weniger gut, wenn bloße Misogynie und Antisemitismus nicht analysiert, sondern lediglich als diskursive Markierungen verwendet werden. Auch kann sich die Autorin manchmal nicht zwischen Erzählen und Erklären entscheiden, moniert Wölflmaier, das nimmt dem Roman ein wenig von seinen Stärken.
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