Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Im Mai 1882 kamen Friedrich Nietzsche, die junge Lou von Salome, ihre Mutter und der Freund Paul Ree nach Orta, einem kleinen See im Piemont, an denen die Italienreisenden im 19. Jahrhundert auf ihrer Grand Tour Station machten. Von diesem Aufenthalt gibt es nur wenige Zeugnisse: ein Billett mit dem Versprechen eines heimlichen Treffens, eine auf ein kariertes Blatt Papier gekritzelte Karikatur und ein getrocknetes Stechpalmenblatt. In den Jahren danach schürt Nietzsches Schwester Elisabeth ihre Eifersucht auf Lou, während ihr Bruder versucht, die Stunden jenes unvergesslichen Tages, den er mit Lou in Orta verbrachte, in allen Einzelheiten nachzuleben. Er sucht dabei nach den Gründen für sein unglückliches Verhältnis zu Frauen und das Scheitern seiner Liebe. In einer bestechend schönen Sprache, anschaulich und nachdenklich, nähert sich Laura Pariani ihren Figuren, der Landschaft, den Empfindungen einer Sehnsucht und deren Scheitern, die ganz gegenwärtig sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2002
Martin Krumbholz befindet, dass schon dem Vorhaben der Autorin, sich in die Beziehung zwischen Nietzsche und Lou von Salome einzufühlen, etwas "Hybrides anhaftet". Ohne das Wort zu verwenden erscheint es dem Rezensenten wohl auch schlicht vermessen, wenn ein "Jedermanns-Hirn" sich in ein "Genie" wie Nietzsche hineindenken will. Der Versuch Parianis, aus dem dürftigen Quellenmaterial einen "Roman" zu machen und das Fehlende mit der Kraft ihrer "Phantasie" zu ergänzen "kann nur schief gehen", so der Rezensent kategorisch. Auch wenn Krumbholz der Autorin ein gewisses "rhetorisches Talent" zuschreibt, ist er entsetzt von den "Gemeinplätzen oder groschenheftreifen Formeln", die das Buch aufzubieten habe. Dazu kämen "Holprigkeiten" in der Übersetzung, die sicherlich auch nicht für ein wohlwollenderes Urteil des Rezensenten gesorgt haben.
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