Aus dem Amerikanischen von Ursula C. Sturm. Bolivien war eines der wenigen Länder, die nach dem "Anschluss" und der "Reichskristallnacht" noch jüdische Flüchtlinge aufnahmen. So standen mehr als zwanzigtausend Mitteleuropäer vor der Aufgabe, in einem unbekannten, exotischen Land eine neue Existenz zu begründen. Leo Spitzers Porträt dieser entwurzelten Einwanderer und ihrer Erfahrungen in der bolivianischen Wirklichkeit besticht vor allem durch seine Reflexion über die Wechselwirkung von Gedächtnis und Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2004
Außerordentlich angetan zeigt sich Rezensent Hans-Jürgen Döscher von diesen Erinnerungen des 1939 geborenen Historikers Leo Spitzer, dessen Eltern, deutsch-österreichische Juden, nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland nach Bolivien emigrieren mussten. Döscher berichtet, dass Spitzer seine Jugend in der deutschsprachigen Flüchtlingsgemeinde verbrachte. Gefallen hat Döscher besonders, dass Spitzer seine familiären Erlebnisse mit den Lebensgeschichten anderer Flüchtlinge verknüpft und dabei nicht nur Memoiren, Briefe, Familienalben und Zeitungsartikel aus jener Zeit, sondern auch Aufzeichnungen aus vielen Gesprächen mit Zeitzeugen heranzieht. Spitzers Darstellungen besteche durch die "Wechselwirkung zwischen persönlicher Erfahrung, subjektiver Erinnerung und kritisch reflektierter Geschichte aus der Feder eines Historikers". Insofern sieht Döscher in Spitzers Buch auch ein Beitrag zur Gedächtnis- und Erinnerungsforschung. Ein "auch für Nichthistoriker gut lesbares und lesenswertes Buch".
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