Klappentext
"Erst heule ich, dann will ich mich erschießen, dann spreche ich ruhig, dann will ich mich wieder erschießen, dann versöhnen wir uns." (12.12.1927) Lili Schnitzlers Beziehung zu dem faschistischen Offizier, Arnoldo Cappellini, den sie mit achtzehn heiratete, endete mit einem beklagenswerten Unfall, als sie ein Jahr später eine Pistole gegen sich selbst richtete. Über ihr turbulentes Ehejahr ist noch immer erstaunlich wenig bekannt. Ihre Eltern ließen ihr Tagebuch mehr als neunzig Jahre lang testamentarisch sperren - das hatte seine berechtigten Gründe. Nun liegen die letzten beiden Jahre ihres Lebens erstmalig beinahe Tag für Tag vor. Mit der Legende, dass Lili seit der Kindheit psychischen Störungen unterlag, wird aufgeräumt - denn es wird in ihren Einträgen offensichtlich, dass Lili leben wollte. Ferner taucht ein Name auf, der in der Forschung bislang nicht bekannt war, und der beweist: Schnitzlers Tochter war in ihren letzten Wochen neben Arnoldo noch in einen anderen Mann verliebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2025
Ziemlich deprimierend findet Gerhard Stadelmaier, ehemals Theaterkritikerpapst, dieses Buch - eine Edition von Tagebüchern, die nie editiert hätten werden sollen, so der Rezensent. Geschrieben hat sie Lili Schnitzler, Arthurs Tochter, in den Jahren 1926 bis 1928, also bis hin zu ihrem Todesjahr im jungen Alter von 18. Stadelmaier ärgert sich schon darüber, dass Herausgeber Max Haberich den einzelnen Einträgen keine Erklärungen beifügt, so dass wir nichts lernen über die teils vermutlich prominenten Personen, über die Schnitzler schreibt. Das wäre immerhin ein bisschen interessant gewesen, findet Stadelmeier, ansonsten liest man nämlich hier nur die oberflächlichen Gedanken einer unreifen Göre, die hinter allem her ist, was männlich, gutaussehend und faschistisch ist. Einen italienischen Faschisten heiratet sie denn schon vor der Volljährigkeit, der viele Sex, den sie mit ihm hat, verbirgt sich im Tagebuch stets hinter Gedankenstrichen. Darüber hinaus? Niente, von den weltpolitischen Wirren der späten 1920er etwa erfährt man rein gar nichts, es sei denn, es wird gerade ein Attentat auf Mussolini verübt. Die exaltierten Stimmungsschwankungen Lilis kümmern den Rezensenten jedenfalls nicht die Bohne, und dass sie schließlich im vorab oft angekündigten Selbstmord resultieren, ist für ihn nichts weiter als eine weitere schlechte Pointe in einem wenig inspirierenden Buch.