Linda Le

Toter Buchstabe

Cover: Toter Buchstabe
Ammann Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783250600725
Gebunden, 95 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Grosse. Zwanzig Jahre lang hat ihr Kontakt zum Vater nur aus Briefen bestanden, immer dringlicher war sein Bitten um einen Besuch geworden, immer einfallsreicher ihre Vertröstungen - und nun ist er tot. "Ich habe ihn einsam sterben lassen", der Vorwurf steht unumkehrbar im Raum. Und damit ist auch ihr einziger Tröster weggefallen. Niemand hätte sie schützen können wie er, vor der Selbstzerfleischung, die auf eine kalt beendete Liebe folgt. Doppelt verraten und zweifach allein ist sie ein verletztes Kind, das sich an seinen zynischen Schlächter ausgeliefert hat. Toter Buchstabe ist ihr Schmerzgesang, ihre Totenmesse für den Vater, den Geliebten und für sich selbst, der Text ihr rettendes Gift.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.01.2006

Rezensent Joseph Hanimann vergleicht die Figuren in den Büchern der Autorin mit keinen geringeren als mit jenen der großen "essentialistischen Literatur" Kafkas, Musils, Pessoas, Blanchots. Seit 15 Jahren schreibe Linda Lê gewissermaßen ohne realistisches Beiwerk "Satz um Satz" ihres "Sprachgiftes", das vom Exil als "Grundverfassung" erzähle. In diesem Buch führe die Erzählerin, die seit zwanzig Jahren in Paris lebt, einen Briefdialog mit ihrem in Vietnam verstorbenen Vater fort, und zwar in Form eines langen Monologs an einen Freund. Neben diesem neutralen Freund, referiert der Rezensent und dem symbiotisch verbundenen Vater, spreche der Monolog auch vom dem "Wüstling und Liebhaber Morgue" und einem im doppelten und totalen Exil einer Irrenanstalt lebenden Onkel. Inmitten dieses "Männer-Quartetts" gleiche der Monolog der Erzählerin, beschreibt der Rezensent, an seinen besten Stellen einem "Stenogramm der bis zum Wahnsinn getriebenen weiblichen Bindungsscheu". Zuletzt ist die Erzählerin von ihrem Vater erlöst und legt ihm in "etwas gespreizter Symbolik", so der Rezensent, einen schwarzen Schal in den Sarg, der ein Geschenk des Liebhabers war. Solche symbolische doppelte Befreiung ist aus Sicht des Rezensenten weit weniger gelungen als die "unermüdliche Verbalisierungs- und nächtliche Traumarbeit" der Erzählerin. Großes Lob erhält auch die Übersetzerin von Linda Lês knappem und schnörkellosem Stil.

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