Eric-Emmanuel Schmitt

Das Evangelium nach Pilatus

Roman
Cover: Das Evangelium nach Pilatus
Ammann Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783250600640
Gebunden, 298 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Grosse. Eigentlich hätten es für Pilatus ruhige Feiertage werden können - vielleicht 15 Verhaftungen, nur drei Kreuzigungen. Doch dann verschwindet die Leiche eines der Gekreuzigten. Ganz Jerusalem ist in Aufruhr. Die Lage muss beruhigt, der Tote gefunden werden, die Ermittlungen beginnen. Judas der Verräter, Pilatus der Henker, Jesus das Opfer?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2006

Die ersten 80 Seiten dieses Romans, in denen Eric-Emmanuel Schmitt auf fast schon "rührend größenwahnsinige" Art und Weise gewagt hat, die Ich-Perspektive des Heilands einzunehmen, halten für den Rezensenten Stephan Maus vor allem eine Erkenntnis bereit, nämlich dass "gerade der spröde, wüstendürre Ton der Evangelien" deren eigentlichen Reiz ausmacht - im krassen Gegensatz zu Schmitts in "Herzjesu-Sentimentalität" getränkter "Erleuchtungspoesie", in der einzig die der Vollendung der Heilsgeschichte zuarbeitende Judas-Figur dem Rezensenten originell erscheint. Gott sei Dank gehe es Gottes Sohn dann an den Kragen, was Schmitt erlaube, zur Innenperspektive des römischen Statthalters Pontius Pilatus überzugehen und dabei einen Einblick in die "bewegten Tage nach der Kreuzigung Christi" zu gewähren. Seine "handfeste Erzählung mit interessantem Zeitkolorit" bereitet denn auch Wiedersehensfreude, so der Rezensent, umso mehr als den üblichen Verdächtigen der Evangelien-Historie teils "überraschende Rollen" zuteil werden. Dieser positiven Wendung des Romans, seufzt der Rezensent, wird jedoch ein Dämpfer verpasst von Schmitts selbstbeweihräucherndem und dadurch mehr als überflüssigen Nachwort, das den Werdegang des Romans hagiografisch nachzeichnet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2006

Mit großem Pathos und einem persönlichen Bekehrungs-Bekenntnis würde der Autor sein Roman-Evangelium inszenieren, berichtet Rezensent Martin Krumbholz, der sich einen sarkastischen Unterton nicht ersparen kann. Im Prolog würde Schmitt aus keiner geringeren Perspektive als der von Jesus Christus auf dessen Leben inklusive einer Erste-Liebe-Geschichte zurückblicken. Im zweiten und umfangreichsten Teil des Romans, so der Rezensent, habe der Autor Briefe des Pontius Pilatus an seinen Bruder Titus eingefügt und lasse als kleine "Pikanterie" den Philosophen Kraterios auftreten, der öffentlich zu onanieren pflegte, um seinen Kopf von Säften freizuhalten. Aus Sicht des Rezensenten entpuppt sich Pilatus allerdings als mittelmäßiger Denker und des Kraterios unfeine Manieren würden von Schmitt in wohldosierter Form dargeboten. Insgesamt halte sich der Autor an das überlieferte Evangelium, ohne "originelle" neue Aspekte hinzuzufügen. Schmitt "poliert es nur ein wenig auf", befindet der Rezensent, "geschmack- und maßvoll", mit einer "hübschen Dosis Spiritualität". Auch die Sprache von Schmitts fünftem Evangelium sei gewissermaßen Bibel light, "gefällig, eingängig, blumig und problemlos rezipierbar". Und somit, folgert Krumbholz, würde Schmitts Evangelium alle Kriterien erfüllen um ein erfolgreicher Roman zu werden.

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