Aus dem Französischen von Brigitte Große. Georges-Arthur Goldschmidt ist eine einzigartige Erscheinung im deutsch-französischen literarischen Grenzverkehr. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ein Autor von Rang, betrachtet Goldschmidt Probleme und Worte "mal von unten, mal von oben". Er entführt uns in literarische Abenteuer, mitten hinein in die Grimmschen Märchen, zum Struwwelpeter, von Pascal und La Bruyere bis hin zu Eichendorff und vor allem: zu Franz Kafka. "Die Faust im Mund" ist ein Sinnieren mit Geist, Körper und Seele über Sehnsucht, Gewalt, lustvolle Bestrafung und Scham und eine Wiederentdeckung der Liebe zur Muttersprache durch die Welt der Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2009
Hans-Herbert Räkel taucht ein in die Selbstdarstellung des Autors durch Literatur beziehungsweise Darstellung der Literatur durch das Leben des Autors. Räkel liest Lebensgeschichte als Lektüregeschichte, weder chronologisch noch logisch geordnet, wie er schreibt. Doch was Georges-Arthur Goldschmidt und seine kongeniale Übersetzerin Brigitte Große hier vorlegen, ist für den Rezensenten bemerkenswert und vollkommen "durchsichtig". Wenn auch nicht immer leicht zu ertragen. Die Sprache der Flucht des verfolgten Juden Goldschmidt ist für Räkel in diesem Punkt deutlich zu unterscheiden vom französischen Original - der gnädigeren Sprache der Zuflucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2008
Georges-Arthur Goldschmidts Essayband "Die Faust im Mund" bietet nach Jürg Altwegg eine Fortführung der autobiografischen Schriften Goldschmidts, wobei sich der Schriftsteller und Übersetzer hier nun als Leser präsentiert. Die Essays weisen den Autor als geradezu "hervorragenden Leser" und dazu als "begnadeten Germanisten" aus, der mitunter in kurzen, subjektiven Schlaglichtern zum Beispiel zu Nietzsche, Pascal oder Artaud Erhellenderes beiträgt als die "gesamte Sekundärliteratur", wie der Rezensent schwärmt. Gleichzeitig gibt Goldschmidt hier auch seine prägenden Identifikationsfiguren preis, bemerkt Altweg, und zumindest im Fall von Franz Kafkas "Joseph K." geht dem Rezensenten die Identifikation entschieden zu weit, weshalb er die letzten Seiten des Bandes nurmehr freudlos und mit Irritation gelesen hat, wie er bekennt. Dafür lässt er sich wiederum von der zwischen den Zeilen wahrnehmbaren, "bislang unbekannten Heiterkeit" des 80-jährigen Goldschmidt einnehmen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2008
Von den Essays Georges-Arthur Goldschmidts ist Rezensent Martin Krumbholz restlos fasziniert. Der Autor betont das "Mondäne, Möblierte" des Französischen, welches selbst in der Beschreibung des Schlimmsten noch eine glänzende Qualität aufweist; gleichzeitig schätzt er die Erbarmungslosigkeit der deutschen Sprache, die sich nicht in Eleganz flüchtet, auch wenn sie diese im Mund des echten Dichters (Heine, von Eichendorff) aufweisen kann. Krumbholz liest aus den Überlegungen des deutschen Exilanten zu den Möglichkeiten seiner Mutter- und seiner Exilsprache eine Idee der Synthese beider Sprachqualitäten heraus. Der gedanklichen und sprachlichen Trennkraft Goldschmidts steht er dabei nahezu überwältigt gegenüber. In Kafka, den Goldschmidt ins Französische übersetzt hat, erblickt Krumbholz eine "gloriose Projektionsfigur" für den fast 80-Jährigen.
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