Radikale Veränderungen seines Weltbildes (Kopernikus, Darwin, Freud und die Informationstechnologie) zwingen den modernen Menschen zur Neuorientierung. Ursprünglich Sicherheit suggerierende Strukturen sind durch den wissenschaftlichen Geist der Neuzeit in Frage gestellt. Damit sieht sich der Mensch gezwungen, sich über seinen Platz in der Welt selbst Gewissheit zu verschaffen. Mangels äußerer, vorgegebener Strukturen ist er nunmehr auf sich selbst zurückgeworfen. Nur in sich selbst kann er seine neue Verortung finden. Mit der Krise der geistigen Gewalten des Abendlandes (kirchliches Christentum, griechisch-römische Mythologie, der klassische Vernunftbegriff), einem Prozess, der eher euphemistisch als Traditionskrise angesprochen wird, sind die überlieferten Maßstäbe des Urteils über den eigenen Stand in der Welt ebenfalls in eine Krise geraten. Es ergibt sich weiterhin im Verlauf der Moderne, dass auch die empirischen Wissenschaften selbst in die Legitimationskrise einbezogen werden. Karl Popper spricht exemplarisch vom "Sumpfland", in dem die empirische Wissenschaft stochere.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2009
Als Rüstzeug für Linus Hausers zweiten Band der "Kritik der neomythischen Vernunft" empfiehlt Stefan Breuer "Geduld" und vor allem "grimmigen Humor", denn anders ist die Lektüre in seinen Augen nicht durchzustehen. Die Ausdauer benötigt man für die nicht unerheblichen "Durststrecken", die man in den Anfangskapiteln bewältigen müsse. Dann aber nimmt Hauser die Herkulesarbeit auf sich, "Neomythen" der Sciencefiction und ihre Verarbeitung durch Sekten und Kulte zu untersuchen und kann dabei mit erstaunlichen Erkenntnissen aufwarten, wie der Rezensent lobt. Allein das Kapitel über Scientology verdient es, den Sektenbeauftragten als Aufklärungsmaterial zu dienen, findet der Rezensent. Aber auch die Ausführungen zum Sciencefiction-Roman des Biologieprofessors William Pierce, der zur Bibel der National Alliance wird, oder zu den Büchern von Isaac Asimov, der den japanischen Sektengründer Asahara zu seinem Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn motivierte, hat er mit höchstem Interesse gelesen. Trotz der genannten Mängel überzeugt der Band durch seine scharfsinnigen, transparenten Argumente und seine anschaulichen Beschreibungen und fügt sich insgesamt für den begeisterten Breuer am Ende sogar zum "großen Wurf".
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