Aus dem Englischen von Grete Osterwald. Sie nennt sich Ines, aber niemand kennt ihren echten Namen, ihren Geburtsort; nur das Ziel ihrer Reise ist bekannt: Berlin. Ob sie Geschwister hat, ob ihre Eltern noch leben, könnte keiner der Menschen sagen, denen die junge Afrikanerin auf ihrem Weg durch die Festung Europa begegnet ist. Sie erinnern sich, sie erzählen von ihr, der Frau im blauen Mantel, deren Haut ungewöhnlich hell ist und sommersprossig. Nach und nach entfaltet sich ihre Geschichte und mit ihr die Geschichte der Menschen, deren Weg sie gekreuzt hat, die sie beschenkt, benutzt und in ihre eigenen Lebenslügen eingesponnen haben: der Straßenkünstler, der sich in Ines verliebt, der blinde Mann, dem sie den Haushalt führt und schließlich der Kommissar, der bald erkennt: Die Wahrheit hat viele Gesichter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012
Einfache Lösungen sucht Sandra Kegel in diesem dramatischen Roman des Neuseeländers Lloyd Jones vergebens. Die Frage nach Gut und Böse lässt sich bei ihm nie so leicht beantworten, erklärt sie und sieht das als Plus dieses Autors, zumal es um das oft schwarzweiß gemalte Thema der Migration geht. Jones, meint Kegel, sei es eher um das Fließende der Identitäten zu tun. Dass der Autor die Geschichte der jungen Afrikanerin Ines multiperspektivisch erzählt, zugleich nüchtern protokollarisch, passt laut Kegel insofern gut, als das Bild von der Frau, das der Leser erhält, sich auf diese Art stetig verändert. Vieles bleibt ungeklärt. Für die Rezensentin allerdings kein Grund, an der Vollständigkeit des Romans zu zweifeln. Die vielen Schichten, findet sie, ergeben das Porträt einer Frau und der sie umgebenden Gesellschaft als einer Welt der Lüge. Bei aller Schwere der Themen eine nie schwerfällige Lektüre, so Kegel.
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