Auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung suchen Millionen Menschen Zuflucht in Europa. Die Abschottung der EU-Staaten hat das Mittelmeer zum gefährlichsten Grenzübergang der Welt werden lassen. Nur die zivile Seenotrettung orientiert sich noch uneingeschränkt an der Einhaltung der universellen Menschenrechte. Pia Klemp war Kapitänin bei mehreren Rettungsmissionen, die etliche Katastrophen verhindern konnten. Die Erlebnisse dieser Zeit prägen ihren Roman: Eine Aktivistin sticht mit einer Crew aus Hippies, Punks und Weltverbesserern in See, um möglichst viele Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Sie handeln in einer unmenschlichen Welt, die sie nicht akzeptieren können. Nur der gemeinsame Aufstand bietet Hoffnung, den eigenen Überzeugungen gerecht zu werden. Als ihre Rettungseinsätze kriminalisiert werden, nimmt das abgekartete politische Spiel neue Dimensionen an...
Revoluzzerin, Veganerin, Aktivistin, Misanthropin und Liebesbotschafterin zugleich - Rezensent Ralph Gerstenberg kann nicht genau sagen, wo die Seenotretterin Pia Klemp aufhört und wo die Protagonistin ihres Buchs anfängt, aber das ist auch nicht wichtig, versichert er: Die Kapitänin der Iuventa hat ihre Erlebnisse bei der Rettung von Geflüchteten aus dem Mittelmeer in ein Buch gegossen, das mit seiner Mischung aus unsentimentalen Berichten, pathetischen Zukunftsvisionen und beißender Anklage der EU-Politik ein absolut lesenswerter Roman geworden ist, wie Gerstenberg findet. Die Widersprüche im Charakter seiner Hauptfigur machen den Text ihm zufolge nur umso authentischer.
Der Seenotrettungs-Roman der Aktivistin Pia Klemp hat Rezensent Christian Jakob imponiert. Die 36-jährige Autorin (einst auch schon als Tierschutzaktivistin tätig) erzählt von der Bandbreite an Erfahrungen, die sie 2017 und 2018 als Seenotretterin bei NGO Jugend rettet und Sea Watch gemacht hat. Dabei deckt Kemp verschiedenste Bereiche zwischen Abneigung oder Zuneigung gegenüber einzelnen Flüchtlingen, Rassismusüberlegungen und schockierenden Situationen ab und verfällt dabei weder in einen moralisierenden noch in einen paternalistischen Duktus, lobt der Rezensent. Stattdessen gelinge ihr ein "anarchischer Stream of Consciousness",zu dem Klemps stellenweise nicht ganz perfekter Stil ganz gut passe. Ein Roman aus "kurzen Blitzen von Flugblatthaftigkeit", der auch Jack Kerouac und Charles Bukowski gefallen hätte, glaubt der ergriffene Rezensent.
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