Mit historischen Aufnahmen auf CD. Ein unterhaltsamer Beitrag zur phonographischen Literaturgeschichte und zugleich eine Kulturgeschichte der Sprachkunst in einer medialen Übergangsphase: Dem Stimmengewirr, dem wir im modernen Medienzeitalter ausgesetzt sind, steht ein anderes gegenüber, das uns aus schriftlichen Aufzeichnungen entgegenhallt. Diesem Duett hört Lothar Müller nach. Auf einer beiliegenden CD sind äußerst seltene Aufzeichnungen mit den Stimmen von Moissi, Kraus, Hofmannsthal, Hardt, Bassermann u. a. zu hören.
Mit einigem Genuss hat Rezensent Rolf-Bernhard Essig diesen klugen, "elegant-anspruchsvoll geschriebenen Großessay" über das Vortragen gelesen. Nicht nur, dass er darin das alte Vorurteil von der "Opposition von Mündlichkeit und Schriftlichkeit" findig widerlegt fand. Auch insgesamt fand er Lothar Müllers "in schöner Konzentration" verfolgte Geschichte des Vortragens von Klopstocks Zeiten bis ins frühe 20. Jahrhundert höchst aufschlussreich, da er darin nicht nur die Geschichte selbst kundig nachgezeichnet fand, sondern auch überzeugende Verbindungen mit Theoriediskussionen, Rezitationspraktiken und Porträts wichtiger Rezitatoren von Joseph Kainz über Karl Kraus und Alexander Moissi bis Kafka eingehen sah. Eine beigelegte CD mit Hörproben erhöht dann die Lust des Rezensenten noch, manches in Zukunft noch mal mit "anderen Ohren" zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.01.2008
Sascha Michel sieht Lothar Müller zunächst in Erklärungsnot, wenn er ausgerechnet in der Goethezeit und in der Prager Literaturszene um Franz Kafka - literarischen Epochen, die gemeinhin als Hochzeit der Schriftkultur gefeiert werden - die deklamierende Stimme aufspüren will. Doch lässt sich der Rezensent schnell von den kenntnisreichen Argumenten des Autors überzeugen, der in seinem Buch demonstriert, wie gerade in der Goethezeit ein regelrechter "Kult" um das Deklamieren und Rezitieren gepflegt wurde und im Fall Kafka das Vortragen der Texte auch dessen Schreiben nachhaltig beeinflusste. Müller will mit der allgemeinen Vorstellung von der "Opposition von Stimme und Schrift" aufräumen und bietet dafür eine Fülle von erhellenden Zitaten, lobt Michel. Um Kafkas Stimme hörbar zu machen, muss man sich allerdings an dessen Texte halten, so der Rezensent, der angesichts der dramatischen Vortragskunst auf der beigefügten CD mit historischen Aufnahmen von Lesungen von Josef Kainz oder Karl Kraus allerdings ganz froh ist, dass die Stimme Kafkas nicht überliefert ist.
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