"Europa wirkt auf der Weltbühne wie ein Absolvent, der einen Arbeitsplatz sucht, aber noch nicht weiß, wo seine wahren Stärken liegen. Amerikas Selbstbild ist das einer Weltpolizei - Europa hingegen hat nun die historische Chance, sich als Anbieter eines alternativen zukunftsweisenden Ordnungsprinzips zu etablieren. Weder die Haltung der USA noch diejenige Chinas, das sich selbst als "Reich der Mitte" versteht, stellt meines Erachtens ein geeignetes Modell für eine friedliche und umweltschonende Zukunft dar. Europa hat indessen etwas hervorgebracht, das ein weltweites Staatennetzwerk ermöglichen und die Ordnungsdefizite im globalen Wettbewerb beseitigen kann."
Joachim Fritz-Vannahme ist vom "Ton", den Lothar Späth in seinem Buch über das "Zukunftsmodell" Europa in der "globalisierten Welt" anschlägt, sehr eingenommen. Wiewohl auch Späth keineswegs die großen Probleme Deutschlands verschweige, vermeide er in seiner Bestandsaufnahme jeglichen "Eifer und Geifer", so der Rezensent erfreut. Späth zieht Adam Smith, Joseph Schumpeter, Mancur Olson und - überraschenderweise - Ludwig Ehrhardt heran, um seine Vorstellungen von der deutschen Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft innerhalb der EU darzustellen, stellt Fritz-Vannahme fest. Er lobt die "Bestandsaufnahme" des Autors als umfassend und bewundert durchaus den zum Ausdruck kommenden Optimismus Späths. Von den vorgeschlagenen Lösungen, die auf "umfangreiche internationale Abkommen" setzen, ist der Rezensent allerdings nicht besonders beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2005
Mit Skepsis betrachtet Rezensent Wilfried von Bredow dieses Buch Lothar Späths, in dem der Politiker und Manager ein "Zukunftsmodell für die globalisierte Welt" entwirft. Auf den "unverdrossenen Optimismus" Späths - Tenor: mit den richtigen Einsichten und genügend Selbstvertrauen lasse sich auch die gegenwärtige schwierige Lage meistern - reagiert Bredow eher zurückhaltend. Späths zuversichtliche Ausführungen über die weitere Entwicklung der globalisierten Welt und Europas Stellung in ihr haben Bredow nicht so ganz überzeugt. Die "eigentümliche Verniedlichung der Konfliktträchtigkeit inter- und transnationaler Politik" etwa hat den Rezensenten schon überrascht, gerade bei einem erfahrenen Politiker wie Späth. Auch böten Späths Ausführungen keine Hilfestellung bei Entscheidungen darüber, wie Europa sich zum Beispiel gegenüber Nordkoreas Nuklearambitionen oder in Afghanistan verhalten solle. Demgegenüber lobt Bredow die Vorschläge Späths zur Revitalisierung Deutschlands, die sich durch "Klarheit und Deutlichkeit" auszeichnen. Allerdings verschweigt er auch nicht, dass diese nicht eben neu sind. Er sieht darin vielmehr eine "Art Medley aus Forderungen in den Parteiprogrammen der vier staatstragenden Parteien".
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…