Günter Verheugen

Europa in der Krise

Für eine Neubegründung der europäischen Idee
Cover: Europa in der Krise
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2005
ISBN 9783462034707
Gebunden, 231 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Europa steht unmittelbar vor dem Schritt auf die Bühne der Weltpolitik, nicht als Objekt, sondern als selbstbewusst handelnder Akteur. Die Europäische Union ist kein lockerer regionaler Zusammenschluss mehr, sondern eine Weltmacht im Prozess der Entstehung". Günter Verheugen gilt als Vater und Architekt der Ost-Erweiterung der EU. Er war in den letzten fünf Jahren als deutsches Mitglied der Europäischen Kommission verantwortlich für die Erweiterungsverhandlungen mit zwölf Staaten und die Zusammenarbeit mit der Türkei. Das Buch beschreibt die neuen strategischen Prioritäten für Europa nach den "historischen Wendepunkten" des 9. November 1989 (Fall der Berliner Mauer) und des 11. September 2001 (Terrorangriff auf New York).

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2005

Ein "vehementes Plädoyer für das zusammenwachsende Europa" erblickt Franziska Augstein in diesem Buch, das der EU-Kommissar Günter Verheugen vorgelegt hat. Seine Erklärung der EU - wozu sie da ist, wie sie funktioniert und was sie alles schon erreicht hat - lobt Augstein als "klar und anschaulich". Sie hebt hervor, dass Verheugen keine Schönfärberei betreibt und eben deshalb zu überzeugen vermag. Mit den zahllosen Europamuffeln und Kritikern aus Politik und Medien, die die EU schlecht reden, gehe er hart ins Gericht. So willig Verheugen den Bürgern erkläre, was sie an der EU haben, so enerviert sei er über "die politische Klasse der Mitgliedsstaaten". Diese müsse endlich begreifen, zitiert Augstein den Autor zustimmend, "dass sich nationale und europäische Verantwortung nicht mehr voneinander trennen lassen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2005

Überzeugend findet Rezensent Wilfried Loth dieses Plädoyer für einen neuen Anlauf in der EU-Gemeinschaftspolitik, das Günter Verheugen vorgelegt hat. Er würdigt den langjährigen, für die Erweiterung zuständigen EU-Kommissar als "überzeugten Europäer", der mit den Europa-Nörglern kritisch ins Gericht geht. Anschaulich schildere er die um Effizienz bemühte und von Respekt vor dem Bürger getragene Kommissionsarbeit. Nichtsdestoweniger mahne er Reformen auf den verschiedenen Feldern der Gemeinschaftspolitik an. Neben Reformvorschlägen im Bereich der Forschungs- und Weltraumpolitik führt Loth hier insbesondere Verheugens Plädoyer für eine Weiterentwicklung der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik an. Gefallen hat Loth auch, dass Verheugen nicht nur Appelle an die Leser richtet, sondern tatsächlich Mut macht. Lobend hebt er zudem Verheugens Bescheidenheit hervor, die sein Plädoyer für mehr Europa "glaubwürdig" erscheinen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2005

"Europa in der Krise", spöttelt Joachim Fritz-Vannahme über den Titel des Buches, klingt ein wenig nach "schwarzem Raben", so sehr hat man sich an den Zusammenklang dieser beiden Wörter gewöhnt. Umso mehr tut daher ein so kluges Plädoyer Not, wie es Günter Verheugen, lange EU-Erweiterungskommissar, nun für die Industrie zuständig, hier vorgelegt hat. Wie Fritz-Vannahme betont, ist Verheugen ein Anhänger des Arguments und ein Verfechter der Vernunft, so dass selbst seine Entsetzensschreie noch recht nüchtern klingen. "Europa fehlen die Europäer", lautet ein solcher. Und weil Verheugen Mythen wuchern sieht, wo Wissenslücken klaffen, klärt er zum Beispiel einige Missverständnisse über die viel gescholtene Brüsseler Bürokratie auf, die nämlich bedeutend weniger Angestellte hat als die Berliner Verkehrsbetriebe! Kein Schwarzbuch über Europa also, sondern ein kluges Buch, lobt Fritz-Vannahme, und eine hervorragende Einführung in das Regelwerk der EU.

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