Präsident Bush hat dem Terror den Krieg erklärt: einen Dauerkrieg gegen immer neue Feinde, Kämpfe an verdeckten und offenen Fronten im In- und Ausland, die Propagierung von unerreichbaren Zielen. Doch die USA sind nicht erst seit kurzem in einem solchen Ausnahmezustand. Der Ausnahmezustand ist die Basis dieser Gesellschaft, der eigentliche "American Way of Life". Extremsituationen bündeln die Aufmerksamkeit und konzentrieren sie auf das unmittelbare - und vor allem auf das eigene! - Überleben. Extremsituationen entlasten vom Alltag, von der Routine, von der Verantwortung fürs Ganze, von Kontinuität. Sie sind das Lebenselixier einer ruhelosen Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2005
Frank Nieß ist sehr angetan. "Die Mischung zwischen Analysen und Erzählungen macht dieses Buch empfehlenswert", schreibt er. Die Schweizer Publizistin Lotta Suter, seit 1997 Neuengländerin, schafft es, nicht nur einen satten historischen Abriss über die Schattenseiten des amerikanischen Patriotismus vorzulegen, eine Studie der allgemeinen Hysterie, in die das amerikanische Sendungsbewusstsein stets umzuschlagen droht, wie sich nicht nur aktuell unter George W. Bush und seinem "Patriot Act" zeigt, sondern wie schon nach dem Ersten Weltkrieg und in der Zeit des McCarthyismus festzustellen war. Suter bringt überdies eine bereichernde persönliche Perspektive ein. Bis zu den Pilgervätern zurück verfolgt die Autorin die Geschichte der amerikanischen Ausnahmezustände. Hinter diesem prekären patriotischen Gleichgewicht steht, so Suter, der "Mythos des zum Überleben auserwählten Volkes". Aktuell jedoch, mahnt die Autorin, seien sogar die Bürgerrechte in Gefahr. Ein Überwachungsstaat drohe.
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