Lust und Sünde, Armut und Kriminalität waren alltäglich in einem Untergrund, der die Schattenseite des reichen Amsterdam mit seiner ehrbaren calvinistischen Bürgerschaft bildete. In dieser Gegenwelt der Spelunken, Seemannspensionen und Hafenbordelle waren die Frauen in der Mehrheit. Viele von ihnen waren deutsche Immigrantinnen, die ihre Heimat verlassen hatten, um im reichen Holland Arbeit zu finden. Lotte van de Pol erweckt diese Frauen zu neuem Leben und lässt uns an ihren Schicksalen teilhaben, schließt aber auch deren "Kunden" - ob einfache Seeleute oder angesehene Bürger - nicht aus. Dabei vermittelt sie einen Einblick in Kultur und Alltag einer frühneuzeitlichen Metropole, wie man ihn aus dieser Perspektive kaum kennt.
Spannend, klug und lehrreich findet Rezensent Andrew James Johnston dieses Buch über Prostitution im Amsterdam des 17. und 18. Jahrhunderts, das ihn als "reiches Kaleidoskop aus dem Alltag der Prostitution" ausgesprochen beeindruckt hat. Die niederländische Historikerin fasziniert den Rezensenten besonders durch den Facettenreichtum ihrer Schilderungen, eine spröde Sachlichkeit in der Präsentation und die Tatsache, dass sie sich ihrem Gegenstand so ganz ohne Sensationslust und Voyeurismus nähert. Lotte van de Pol stütze ihre Erkenntnisse und klugen Einzelanalysen in der Hauptsache auf zeitgenössische Gerichtsakten, Reise- und Sensationsliteratur. Lediglich das Fehlen eines Fazits merkt der Rezensent kritisch an.
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