Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. In den Jahren 1979 bis 1982, in denen dieser Band spielt, prägen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise das Leben in den Niederlanden. Obwohl man in Maarten Konings Amsterdamer Büro gut zu tun hat, spürt man die Zeichen der Zeit: Das Ministerium schickt einen Fragebogen zur "Selbstevaluierung", um Einsparpotenziale zu ermitteln, und benutzt darin ein Wort, dass die Kollegen im Wörterbuch nachschlagen müssen: "Output".
Doch wenigstens ein Gutes hat das Ganze: In der Not steht man zusammen, um den Angriff der feindlichen Außenwelt abzuwehren, und es herrscht fast schon so etwas wie Harmonie zwischen den Abteilungen - wenn da nicht der Vorschlag einer politisch engagierten Mitarbeiterin Maartens wäre, im Kaffeeraum statt des konventionellen fortan nur noch fair gehandelten Kaffee ausschenken zu lassen …
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 15.10.2016
Elmar Krekeler kennt keinen, der das Alltägliche derart luzide und leuchtend in eine packende Geschichte verwandelt wie J. J. Voskuil. Fasziniert von der Langeweile und der Durchschnittlichkeit des Helden dieser literatursoziologischen Langzeitstudie, wie Krekeler es nennt, stellt der Rezensent im nunmehr fünften Band fest, dass die Welt des Maarten Koning immer enger und melancholischer wird, attackiert von Selbstevaluation und jungen Kollegen. Dass der Autor sein Personal weiterhin nicht lächerlich macht, rechnet Krekeler ihm hoch an. Und die Übersetzung von Gerd Busse saugt ihn in die Geschichte hinein, in öde Dialoge und Lachen über diesen Koning und über sich selbst.
René Hamann bedauert sehr, dass J.J. Voskuils Romanserie über das Leben im Büro bisher in Deutschland nicht so gezündet hat wie in den Niederlanden. Dort haben die Bücher des 1926 geborenen Volkskundlers Voskuil die ganze Nation in Bann geschlagen. Für den Rezensenten sind die Romane um den Büroangestellten Maarten Koonig, seinem Institut für niederländische Volkskunde und dem etwas "verklemmten Dasein" der Niederländer im 20. Jahrhundert im Grunde genommen eine "soziale Studie als Langerzählung". Allerdings sind sie ausgesprochen geradlinig geschrieben, das macht Hamann sehr deutlich, es gebe keine Manierismen, keinen demonstrativen Kunstwillen, keinen vertrackten Plot: Man liest sie einfach "so weg". Ein um den anderen Band hat Hamann sich dem Leben des Warum die Deutschen das nicht lesen? Hamann vermutet dahinter das Desinteresse an der Selbstreflexion bei der lesenden Mittelschicht, die ihr Heil eher im Eskapismus von Vampir- Kriminal- und historischen Romanen suche.
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