Bis zu seinem Tod Ende der fünfziger Jahre ist Bitter immer elegant davongekommen, nun wird ihm endlich im Erzählen der Prozess gemacht. Ludwig Laher zeichnet - minutiös recherchiert - in verschiedenen Tonlagen den bemerkenswerten beruflichen wie privaten Werdegang des Gestapo-Chefs von Wiener Neustadt und Massenmörders von Charkow nach (der in Wirklichkeit anders hieß). Manchmal ist der Erzähler distanziert wie ein Chronist, an anderer Stelle ganz nah am Geschehen, sodass er fast in den Kopf seines Helden steigt, dann wieder hält er diese Nähe nicht aus und verschafft sich in Ausbrüchen Luft. Wert legt Laher auf die kleinen, sonst oft übersehenen Details, etwa wenn er erzählt, wie Bitter nach dem Krieg ausgerechnet von einem prominenten jüdischen Anwalt verteidigt wird, dessen Eigentum er Jahre zuvor arisiert hatte, inklusive der großen Limousine, die er stolz durch Wiener Neustadt steuerte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2014
Ludwig Lahers Roman über den Naziverbrecher Friedrich Kranebitter gefällt Oliver Pfohlmann als Duell zwischen einem reflektierenden Erzähler und einem Protagonisten, dem Pfohlmann als eine Art dunklem Bruder Felix Krulls sogar Sympathie entgegenbringen kann. Das ist gut, hat die historische Figur Kranebitter, deren unrühmlich ruhmvolle Nachkriegsgeschichte Laher biografisch genau erzählt, doch so gar nichts Angenehmes. Die Frage, wieso der Autor für seine Abrechnung mit Kranebitter die Form des Romans gewählt und keine Biografie verfasst hat, beantwortet Pfohlmann, indem er auf das so genutzte "Emotionalisierungspotenzial der Literatur" hinweist.
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