Sebastian war ein sensationeller Streichler, beruhigend und aufregend zugleich - fand Anna jedenfalls, seine Freundin. Trotzdem war es eigentlich nur eine Urlaubsalberei, als sie ihm vorschlug, diese Fähigkeiten zu professionalisieren. Natürlich (Regel 1) niemals unterhalb der Gürtellinie! Aber in dieser kalten Welt des Gestresstseins musste es doch eine kommerziell verwertbare Sehnsucht nach Zärtlichkeiten auch oberhalb des Nabels geben. Und irgendetwas sollte sich Sebastian schon einfallen lassen, der nach dem Ende seines Philosophiestudiums schon viel zu lange einfach nur herumhing, während Anna als Lektorin in Foucaultseminaren an der Wiener Uni wenigstens ein bisschen was verdiente. Als Sebastian geschlagene anderthalb Jahre später wirklich zum Gewerbeamt geht, um in der Mondscheingasse ein Streichelinstitut zu eröffnen, stößt er schon bei der Anmeldung auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2010
Also gegen das Streicheln hat der Rezensent gar nichts, auch nicht gegen das geschäftsmäßige, das in Clemens Bergers Roman zur Marktlücke fürs akademische Prekariat hochgejazzt wird. Allerdings hat Oliver Pfohlmann was gegen Ratlosigkeit und Genervtsein. Beides aber befällt ihn nach anfänglichem, durch den Dialogwitz und die Sprachlust des Autors beförderten Lesevergnügen. Schuld sind Bergers Ambitionen, die ständigen Anspielungen, Ortswechsel, und alle möglichen ungelösten Enden, wo Pfohlmann lieber mehr über die Liebe heute erfahren hätte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2010
Sind so zarte Hände - die nämlich des Roman-Protagonisten Sebastian, der sich als professioneller Streichler (kein Sex!) allerdings den Namen Severin Horvath gibt. Mit von der Partie ist seine Freundin Anna, die sich auf Adorno so gut wie auf Agamben versteht. Allen, die an der Stellen Bedenken bekommen wegen möglicherweise übertriebener Theoretizität des Romans, gibt Rezensent Jan Wiele sogleich Entwarnung: Dies Buch verstehe sich aufs Groteske so gut wie aufs Realistische und mache daraus geradezu eine Gegenwartsdiagnose. Eine aber, in der es vor tollen Ideen nur so wimmelt und die darüber hinaus allen Ernstes im buchstäblichen und übertragenen Sinn zu berühren vermag.
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