Er galt als "König der Romantik", brachte Deutschland mit seinen Übersetzungen Shakespeare und Cervantes nahe, war genialer Entdecker, Förderer, Vorleser - doch seine eigenen frühen Erzählungen, in denen er Wahnsinn, Raserei, Furcht und Schrecken literaturfähig macht, gilt es erst noch zu entdecken.Schon als Junge war Tieck ein Bücherfresser par excellence. Und seine eigene Phantasie schlug wilde Volten. Der Fremde, Der Psycholog, Liebeszauber, Der Runenberg und ähnlich heißen seine frühen Geschichten, die freilich kaum jemand kennt. Ein großer Fehler, sagen Jörg Bong und Roland Borgards - und liefern zu Tiecks 250. Geburtstag eine brillante Auswahl davon. Sie erzählen zudem in kurzen Zwischentexten vom Genie ihres Erfinders.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2023
Rezensent Tilman Spreckelsen lernt in diesem Sammelband den Schriftsteller Ludwig Tieck als "Meister der Perspektivenvielfalt" in jungen Jahren kennen. Der Band, zusammengestellt von Jörg Bong und Roland Borgards, versammelt Geschichten aus der frühen Schaffenszeit Tiecks, in der Spreckelsen allerdings schon die literarische Raffinesse des versierten, älteren Romantikers erkennen kann. Sowohl Tiecks Fähigkeit, Schwärmerisches subtil ins Lächerliche zu ziehen, als auch sein Talent, die Realität aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen, findet der Kritiker in den Texten wieder. Er ist fasziniert von diesem Porträt "eines sich entfaltenden Künstlers", das durch Texte der Herausgeber ergänzt wird, die bestimmte Deutungsaspekte hervorheben und Übergänge schaffen: eine rundum "erhellende" Lektüre.
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