Von keinem anderen Dichter hat Schumann so viele Texte vertont wie von Heine. Das von zahlreichen Vorurteilen belastete Verständnis des Dichters hat lange Zeit eine angemessene Sicht auf Schumanns Liedkompositionen verbaut. Das Klischee, Heines Lyrik sei ironisch, wird hier konkret an den von Schumann vertonten Gedichten untersucht, um dann zu zeigen, inwieweit sich ähnliche Stilmerkmale auch in Schumanns Liedern nachweisen lassen. Als Handreichung für Interpreten, Musikhörer und Wissenschaftler eröffnet dies neue Perspektiven.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2006
Thomas Synofzik macht sich in seiner Analyse von Robert Schumanns Vertonung der Gedichte Heinrich Heines daran, die Klischees und Vorbehalte der musikwissenschaftlichen Rezeption vor allem gegenüber Heine zu widerlegen, stellt Gerhard R. Koch sehr zufrieden fest. Zu diesem Zweck legt der Autor, seines Zeichens Direktor des Robert Schumann-Hauses in Zwickau, nicht nur den historischen Antisemitismus gegenüber Heine offen, der die vorbehaltlose Rezeption der Schumann-Lieder behindert hat. Koch findet, dass es Synofzik in seinem Buch häufig "vorzüglich gelingt", die musikalische Erwiderung Schumanns auf Heines Ironie im Detail darzulegen. Schade findet Koch nur die relativ enge thematische Beschränkung des Autors, die ihn daran hindert, beispielsweise Adornos musikwissenschaftliche Texte zu Eichendorff, Schumann und Heine oder theoretische Texte zu Humor und Komik bei Schumann heranzuziehen. Auch die Gedichtvertonungen anderer Komponisten werden von Synofzik nicht miteinbezogen, weshalb es auch keine Vergleiche zum Verhältnis von Musik zum Text allgemein gibt, bedauert der Rezensent.
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