Aus edem Niederländischen von Gregor Seferens. "Nach meinem Tod", sagte Maarten 't Harts Mutter oft, "kannst du über mich schreiben, was du willst, aber verschone mich, solange ich lebe." Der Sohn, einer der berühmtesten europäischen Romanciers, hat sich daran gehalten. Er hat bislang nicht davon erzählt, wie ausgerechnet ein kaputter Hosenträger die Liebe zwischen seinen Eltern stiftete, hat verschwiegen, dass sein Vater im Grunde der Überzeugung war, man könne ein Pferd mehr lieben als eine Frau. Nun aber, drei Jahre nach dem Tod der Mutter, erscheint "Magdalena": ein Buch über das große Geheimnis, das sich Kindern hinter dem Zusammenhalt der Eltern zu verbergen scheint, ein ungeschminktes Zeugnis dessen, was der begnadete Erzähler 't Hart bislang alles nicht erzählt hat, und ein schmerzvoll schönes Buch über Mutter und Sohn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2015
Mit gemischten Gefühlen bespricht Oliver Jungen Maarten 't Haarts neuen Roman "Magdalena", der sein großes autobiografisches Projekt abschließt. Einmal mehr bewundert der Kritiker den forschenden, authentischen und gänzlich unsentimentalen Blick des Autors auf das eigene Leben, liest entsprechend fasziniert nach, wie sich der Sohn von den protestantischen Werten der frommen und unnahbaren Mutter löst, um sich ihr schließlich doch anzunähern und dabei eine untergegangene Epoche wieder aufleben lässt. Zugleich muss Jungen aber feststellen, dass einige Episoden des Romans nicht nur allzu kraft- und pointenlos wirken, sondern auch den Kern der Erzählung aus den Augen verlieren. Nichtsdestotrotz lohnt die Lektüre dieses Buches, schon allein wegen des grandiosen Beerdigungskapitels, das eine scharfsinnige und wissenschaftliche Reflexion über das Apostolische Glaubensbekenntnis enthält, schließt der Rezensent.
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