Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Auf einer Reise lernt A. F. Th. van der Heijden in den neunziger Jahren das Wort "Engelsdreck" kennen, das die Ausdünstungen von Cognacfässern bezeichnet. "Es ist die einzige Art, wie Engel sichtbar werden. In Form eines Negativs. Als Schmutzablagerung." A. F. Th. ist alles andere als ein Engel, das beweisen diese Niederschriften aus dem alltäglichen Alltag sowie seine hier nachzulesenden Briefe, Essays, Aphorismen, fingierten Interviews und Buchpläne. In den über vier Jahrzehnte hinweg notierten Erfahrungen eines immer und überall die Extreme suchenden Lebens, den hochfliegenden Plänen, den Erfolgen, Zweifeln und Triumphen, seinen euphorischen Phasen, etwa nach der Geburt seines Sohnes, aber auch bei ausgedehntesten Kneipentouren, zeigt sich A. F. Th. unverstellt und ungeschönt: Sichtbar wird ein lebens- und wirklichkeitshungriger Zeitgenosse und ein detailbesessener Epiker, der nichts und niemanden schont: weder sich noch seine Zeitgenossen, noch die Leser.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2006
Bei allem Respekt für den Autor und seinen notorische Hedonismus zeigt sich Rezensentin Dorothea Dieckmann nach Lektüre dieser Tagebücher eher genervt. Denn das auf 550 Seiten ausgebreitete "Durcheinander von Wahrnehmung und Gedankenwelt" hat zwar immer wieder opulente, lebenssatte Passagen zu bieten. Insgesamt findet sie allerdings van der Heijdens Hang, "auch noch die schalsten Rückstände seiner verstreichenden Lebenszeit als Devotionalie zu behandeln", ziemlich anstrengend. Besonders schwer erträglich erscheint ihr in diesem Zusammenhang die "minutiöse Aufzeichnung täglicher Belanglosigkeiten" rund um die Geburt des Sohnes. Angesichts wiederholter Schilderung schnöder Details rund um Stuhlgang, Nahrungsaufnahme und Alkoholkonsum, kann sie dem "egozentrischen Erbsenzähler a la Thomas Mann" nicht mal mehr den "Charme serieller Kunst" abgewinnen. Enttäuscht schlägt sie das Buch zu und wendet sich lieber der "phänomenalen Romankunst" dieses Autors zu.
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