Aus dem Französischen von Patricia A. Hladschik. Die Alten wussten noch viel Träumerisches vom Meer zwischen Afrika und Europa zu erzählen. Für die Handvoll illegaler Einwanderer, von denen in diesem Roman die Rede ist und die das Mittelmeer auf der berüchtigten Route von Marokko nach Spanien überqueren wollen, wird es zum Alptraum. Sie gehören zu jenen Nordafrikanern, die um jeden Preis in die gelobte Alte Welt möchten, um dort ein neues Leben zu beginnen. Von ihren Problemen liest man in der 'Festung Europa' beiläufig in Zeitungsreportagen und alarmierenden Statistiken. Mahi Binebine hat ihrem Schicksal in diesem Roman bei aller Düsternis viel Farbigkeit abgewonnen. Seine Schilderung eines nächtelangen Wartens auf den geeigneten Moment zur Überfahrt von Tanger nach Algeciras durchziehen die Lebenssplitter der Ausreißer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2003
Der 1959 in Marrakesch geborene Mahi Binebine gehört zweifellos zu den Privilegierten in seinem Land, weiß Rezensentin Angela Schader. Nach dem Studium der Mathematik in Paris konnte er sich seiner Karriere als Schriftsteller und Maler widmen. Die bedrückenden Lebensverhältnisse der Mehrheit seiner Landsleute hat er dabei nicht aus dem Blick verloren, sie sind Gegenstand seines neuen Romans. Binebine weiß jedoch, dass der Belastbarkeit des Lesers bezüglich des Elends Grenzen gesetzt sind, und so dosiert und gestaltet er es in seiner Erzählung so geschickt, dass die Tragweite des Mitgeteilten nicht sofort erkennbar sei, erklärt Schader. Horrorvisionen blitzen nur momentan auf, eingebettet in Alltägliches, ja bisweilen sogar Amüsantes. Die schwarze Nacht, die sich jedoch dazwischen immer wieder auftut und auch die Illegalen umhüllt, die mit ihrer aussichtslosen Hoffnung auf ein besseres Leben auf ihr Schiff warten, ist Ausdruck der tiefen Trostlosigkeit der Menschen, von denen Binebine erzählt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…