Aus dem Französischen von Hainer Kober. Jean Ziegler hat als Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats im Mai 2019 das EU-Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besucht. Anhand vieler, oft erschütternder Einzelfälle schildert er eingehend seine Begegnungen mit Flüchtlingen, die von ihrem Leidensweg berichten, mit den mutigen, engagierten Vertretern verschiedener Hilfsorganisationen (medico international, Pro Asyl u. a.) und Menschenrechtsaktivisten, mit Anwälten und Offiziellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2020
Michael Martens warnt vor der Lektüre von Jean Zieglers Buch. Vergeudete Zeit, meint der Rezensent. Was Ziegler über die Lage der Flüchtlinge auf der von ihm besuchten Insel Lesbos aufschreibt, entbehrt laut Martens jeder Grundlage, ist "haarsträubend oberflächlich" und "voller Fehler und Unterstellungen". Sprachlich biedert sich der Autor bei der AfD an, wenn er von Brüssels "Betonköpfen" spricht, schimpft Martens. Anstatt die ohnehin schlimme Realität abzubilden, so Martens, drescht Ziegler Phrasen, fabuliert von Selbstschussanlagen der EU und gewalttätigen griechischen Polizisten. Nachweise bleibt der Autor dem Rezensenten weitgehend schuldig.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2020
Friederike Bauer hört die wichtige Botschaft heraus aus Jean Zieglers für sie mitunter allzu reißerisch daherkommendem Blick auf die EU-Außengrenzen und die Flüchtlingslager auf Lesbos. Dass der Autor die EU-Verantwortlichen mit Klischees belegt und mit "überzogener Rhetorik" zu Werke geht, wäre laut Bauer nicht nötig gewesen. Die Fakten im Buch sprechen für sich, meint die Rezensentin. Eindringlich findet sie die Schilderung des "Flüchtlingsregimes" aus Bürokratie, Korruption, Abschreckung und Überforderung, bedenkenswert Zieglers Abgleich von Asyl-Praxis und Grundüberzeugungen der EU. Weniger gut gefallen hat Bauer, dass der Autor sich auf einer "absoluten Anspruchs- und Rechteebene" bewegt, ohne die politischen Realitäten zu berücksichtigen.
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