Europa zieht seine Grenzen durch Afrika. Migrationskontrolle ist in der EU zu einer Frage von höchster innenpolitischer Bedeutung geworden. Mit Hochdruck baut sie daher ihre Beziehungen zu den Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Diese sollen ihre Bürger daran hindern, nach Europa zu gelangen. Die EU bietet dafür Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe. Sie arbeitet mit Regimen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizei und Armeen aus. Die Bewegungsfreiheit in Afrika wird eingeschränkt, Entwicklungshilfe wird umgewidmet und an Bedingungen geknüpft: Wer Migranten aufhält, bekommt dafür Geld. Am meisten profitieren IT-Unternehmen sowie Rüstungs- und Sicherheitskonzerne in Europa.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017
Interessiert hat Rezensent Günter Beyer dieses Buch der Journalisten Christian Jakob und Simone Schlindwein gelesen, das ihm ebenso faktengesättigt wie "sorgfältig" noch einmal die Afrika-Politik der EU vor Augen führt. Der Kritiker liest hier nach, wie in zwei Stufen Fluchtursachen bekämpft werden sollen, zum einen durch Kontrollen an innerafrikanischen Grenzen, zum anderen durch Förderung wirtschaftlicher Anätze vor Ort, die Migranten zum Dableiben bewegen sollen, vermisst allerdings eine Diskussion der Autoren darüber, weshalb das, was bisher "Entwicklungshilfe" genannt wurde, nun plötzlich funktionieren soll. Während der Rezensent würdigt, dass Jakob und Schlindwein Entwicklungen bis zum Sommer 2017 berücksichtigen, "seriöse Medien" zitieren und den Text mit Reportage-Elementen lebendig machen, hätte er sich einen Überblick über die verschiedenen Fluchtursachen gewünscht.
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