Standen die Millionen Heimatvertriebenen in der Bundesrepublik im Schatten des "Wirtschaftswunders"? Das Gesetz über den Lastenausgleich - größtes sozialpolitisches Projekt des jungen Staates - hatte ihnen 1952 Entschädigung und Integrationshilfen im Rahmen der "volkswirtschaftlichen Möglichkeiten" versprochen und gleichzeitig die Vermögensbesitzer zu Abgaben verpflichtet. Einer breiten Schicht von Leistungsempfängern kam der Lastenausgleich sehr zugute, doch die Entschädigung für verlorenes Grund- und Betriebsvermögen fiel relativ bescheiden aus - auch weil die Ausgleichsmittel weit hinter dem ökonomischen Wachstum zurückblieben. Über die vom ostdeutschen Mittelstand deshalb beklagte Benachteiligung gab es bei Dutzenden Gesetzesnovellen bis in die Zeit der Ostverträge hinein immer wieder heftigen politischen Streit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2020
Peter Hoeres erfährt von Manfred Kittel nicht zuletzt, woran die Integration der deutschen Vertriebenen scheiterte. Kittels spröde erscheinende, laut Hoeres aber sorgfältige und vielseitig informative Studie zur Geschichte des Lastenausgleichsgesetzes verrät dem Rezensenten aber auch viel über die Mentalitätsgeschichte der BRD unter Erhard. Für Hoeres geht der Autor gleichwohl "überkritisch" mit dem Gesetz ins Gericht. Die Vervielfachung des LAG-Volumens etwa zieht er für sein Urteil nicht in Betracht, stellt der Rezensent fest.
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