Aus dem Französischen von Martin Budde. Ein Mann, der eine SMS erhält, ein weiterer, der die Waffe auf ihn richtet, und eine Frau, die erschrocken ihre Puderdose zu Boden fallen lässt: Immer wieder kehrt die Geschichte zu dieser wie eingefrorenen Szene zurück. Dahinter jedoch verbirgt sich ein Drama viel größeren Ausmaßes, das diese Wohnung weit hinter sich lässt Marc-Antoine Mathieu verblüfft einmal mehr: Er erzählt seinen Thriller in einem einzigen langen Zoom, wobei Reflexionen auf Spiegeln, Fenstern oder Metall den Blick des Betrachters in immer neue Richtungen und auf immer neue Details lenken und so in der Echtzeit von "Drei Sekunden" die entscheidenden Indizien eines Komplotts enthüllen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2012
Marc-Antoine Mathieus Comic "Drei Sekunden" macht für Thomas von Steinaecker einmal mehr klar, dass der Comic weniger mit der Literatur als mit dem Film verwandt ist. Außerdem erweitere der französische Autor mit diesem Werk noch einmal beträchtlich die Möglichkeiten des Comics. Dass die kaleidoskopartige Krimigeschichte, die Mathieu mit einem einzigen langen Zoom aus je neun Bildern pro Seite erzählt, letztlich vielleicht nicht ganz auflösbar ist, stört den Rezensenten nicht wirklich, zumal ihm klar ist, dass es hier in erster Linie um ein "formales Experiment" geht. Ein Experiment, das seines Erachtens auf grandiose Art geglückt ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.07.2012
Zeichnerisch und erzählerisch gelungen, lautet die Wertung, die Christian Schlüter diesem bis ins Kleinste durchkomponierten, Schlüter dennoch nie erzwungen oder gewollt erscheinenden Comic von Marc-Antoine Mathieu gibt. Der Band hat ihn ziemlich beeindruckt, obwohl oder gerade, da er ohne Worte auskommt. Mathieus veritable Bildungsreise, ja Schöpfungsgeschichte, eine Geschichte des Blicks, die dem staunenden Rezensenten eine Vielfalt an Perspektiven und Sinndimensionen eröffnet, indem sie nahtlos die Unterscheidung von Hell und Dunkel, Licht und Schatten in immer neuen, einander reflektierenden Konstellationen ausmalt, das Auge in der Linse, im Spiegel im Handydisplay usw., drei Sekunden lang, eine kleine Ewigkeit. Ein kluges, ein bei aller philosophischen Tiefe ungeheuer leichtes Abenteuer des Sehens, freut sich Schlüter.
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